Wasting Away #24: It’s already black (SAMURAI COP, DRACULA UNTOLD, HARMONTOWN)

Die 24. Folge von Wasting Away! Wir besprechen DRACULA UNTOLD, die HARMONTOWN-Doku, Dave Eggers Roman THE CIRCLE und die Indie-RomCom OBVIOUS CHILD. Und mit SAMURAI COP haben wir einen weiteren obskuren Action-Trash-Film gefunden, der sich hervorragend im Double Feature mit dem in der letzten Folge besprochenen MIAMI CONNECTION machen würde.

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Wasting Away #23: Biker by Day, Ninja by Night (MIAMI CONNECTION, WHO AM I, BIRDMAN)

Wasting Away #23 ist hier! Wir besprechen den deutschen Hacking-Thriller WHO AM I sowie Michael Keatons Meta-Comeback BIRDMAN! Und es gibt mit MIAMI CONNECTION einen der rätselhaftesten (und unterhaltsamsten) Trash-Filme der bisherigen Wasting Away-Geschichte! UND wir begrüßen unseren ersten Special Guest!

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Natürlichen freuen wir uns auch nach wie vor über iTunes-Reviews, Kommentare, Tweets etc.

00:00:00 – Intro

00:08:10 – WHO AM I

00:18:00 – BIRDMAN (& ein Bisschen David Fincher-Talk)

00:37:15 – MIAMI CONNECTION

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Wasting Away #22: Look! Coolio! (LEPRECHAUN IN THE HOOD, MAZE RUNNER, DOCTOR WHO)

Hier ist die 22. Ausgabe unseres Podcasts über Filme, die nur mit Alkohol zu ertragen sind! Wir besprechen unter anderem MAZE RUNNER, die aktuelle Staffel von DOCTOR WHO, A MOST WANTED MAN mit Phillip Seymour Hoffman sowie den großartigen FRANK.

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00:00:00 – Intro (inkl. Patreon-Erklärung)

00:10:00 – A MOST WANTED MAN

00:15:05 – MAZE RUNNER

00:24:00 – MAPS TO THE STARS

00:31:30 – DOCTOR WHO

00:44:00 – FRANK (plus Exkurse über DRECKSSAU, GARDEN STATE und Depressionen im Film)

01:05:20 – LEPRECHAUN IN THE HOOD

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Wasting Away #21: The Adventures of Stella Artois (STARCRASH, GUARDIANS OF THE GALAXY, SIN CITY)

Jajaja, es hat schon wieder einen Monat gedauert, bis die neue Wasting Away Folge erscheint. Dafür widmen wir uns diesmal allerdings wie versprochen unserem ersten Hörervorschlag, dem, naja, von STAR WARS “inspirierten” David Hasselhoff-Vehikel STARCRASH.

Vorher gibt es allerdings noch unsere Reviews zu GUARDIANS OF THE GALAXY (duh), SIN CITY 2 und HERCULES, sowie einen ausführlichen Exkurs über die eher deprimierenden Dinge, die sich gerade in der Gamer-Szene abspielen.

00:00:00 – Feminist Frequency, Zoe Quinn & Sexismus in der Gaming-Szene

00:24:05 – GUARDIANS OF THE GALAXY

00:39:45 – SIN CITY 2: A DAME TO KILL FOR

00:58:15 – HERCULES

01:11:00 – Robin Williams

01:31:00 – STARCRASH

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SMoitzcast #1: R.I.P. Robin Williams

Willkommen zur ersten Folge meines neuen Podcasts für alles, was nicht in meine anderen Podcasts passt. Oder so. In dieser ersten Folge reden Conrad (of Die Abspanner & Pillows & Blankets-Fame) und ich über Robin Williams’ Karriere.

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Links zur Folge:

Stiftung Deutsche Depressionshilfe

A.V. Club: On Robin Williams, depression, and the very real struggle to stay alive

Cracked: Robin Williams and Why Funny People Kill Themselves

NY Daily News: Robin Williams dead at 63: Don’t let Robin’s darkness spread (!!!)

LUCY – Dare to be stupid

Ich suche noch nach einem Wort, das stark genug ist, Luc Bessons LUCY zu beschreiben. “Dumm” reicht nicht. EXPENDABLES ist dumm. Michael Bay-Filme sind dumm. LUCY ist mehr als nur dumm. LUCY ist eine verfilmte Lobotomie. LUCY arbeitet aktiv darauf hin, die Intelligenz des Publikums in den bisher nicht erschlossenen negativen Bereich zu bewegen. LUCY ist so aggressiv idiotisch, dass Stephen Hawking den Film aus Sicherheitsgründen niemals ansehen darf, weil das Zusammenprallen von Intelligenz- und Antiintelligenz zur Entstehung eines schwarzen Doofheits-Lochs führen würde, das alles intelligente Leben auf dem Planeten auslöschen würde, sodass am Ende nur noch Luc Besson übrig bleibt. Der letzte Satz war wissenschaftlich, glaube ich, nicht ganz korrekt, aber immerhin nicht gezielt anti-wissenschaftlich, wie zum Beispiel LUCY. Oh mein Gott, ist LUCY dumm.

Fürs Protokoll: Ich habe an sich kein Problem damit, dass sich ein Film den urban myth, wir Menschen würden nur 10% unseres Gehirns nutzen1, zur Prämisse nimmt. Die Prämisse von SPIDER-MAN ist wissenschaftlich auch nicht 100% korrekt. Womit ich allerdings ein Problem habe, ist wenn ein Film sich diesen Schwachsinn zur Prämisse nimmt und dann darauf basierend profund, tiefgängig, ja didaktisch sein will. Und LUCY ist genau das. Der Film mag vorgeben, ein Actionfilm, ein Riff auf das Superheldenkino zu sein, ist in Wahrheit aber nichts anderes als die aufwendigste PowerPoint-Präsentation aller Zeiten, und wie alle2 PowerPoint-Präsentationen ist auch LUCY ab-so-lu-ter, unfassbarer Bullshit, der allerdings, ebenfalls in der Tradition aller PowerPoint-Präsentationen aller Zeiten, von seinem Urheber für die wichtigste Lektion gehalten wird, die das Publikum jemals lernen wird.

Letzteres ist das andere herausstechende Merkmal des Films – neben seiner, nochmal, unbeschreiblichen Dummheit. In jeder Sekunde von LUCY spürt man, wie unendlich geil Luc Besson sich findet, wie unvorstellbar es für ihn ist, dass eine seiner Ideen ihm nicht von Gott persönlich ins Ohr geflüstert wurde. LUCY ist sich für absolut nichts zu schade und die Verlässlichkeit, mit der Besson jeder an Idiotie scheinbar nicht mehr zu überbietenden Idee eine weitere, noch dümmere folgen lässt, der unaufhaltsame Strom geistiger Diarrhö, entwickelt in seiner Konsequenz eine beinahe hypnotische Wirkung und verleitet mich fast zu der Aussage, man müsse das gesehen haben, um es zu glauben, wenn ich nicht wüsste, dass ich damit Bessons Plan, die in IDIOCRACY satirisch prophezeite Zukunft Realität werden zu lassen, unterstützen würde.

Aber ja, es ist auch irgendwie eindrucksvoll, was Besson hier auffährt, auf eine verstörende Weise. Man stelle sich vor, jemand würde bei einem dieser Sandburgenbau-Wettbewerbe mitmachen und eine gewaltige, bizarre, MC Escher-mäßig verdrehte Burg bauen, aber nicht aus Sand, sondern aus seinem eigenen Kot. Das Ergebnis wäre LUCY nicht unähnlich: Es ist beeindruckend und originell und faszinierend, aber eben auch 100% Scheiße.

Das Problem ist nicht nur, dass LUCY dumm ist und basierend auf seiner Dummheit eine idiotisch-verschwurbelte Message(/Philosophie/whatever) vermitteln will; das Problem ist, dass jedes Element des Films im Dienste dieser Message steht, und zwar nur dieser Message. Der Setup um die in China lebende US-Studentin Lucy (Scarlett Johansson), die gegen ihren Willen zum Drogenkurier wird und versehentlich großen Mengen einer neuen Droge ausgesetzt wird, die die angeblich unerschlossenen Regionen des menschlichen Gehirns aktiviert und damit dem Konsumenten aus irgendeinem Grund Superkräfte verleiht, ist rudimentär, aber funktional, präzise, perfekt als Basis eines mitreißenden Actionfilms, zu dem LUCY dann auch für ca. 4 Minuten wird. Doch es dauert nicht lange, dann beginnt die Droge richtig zu wirken, und damit einhergehend verliert LUCY als Actionfilm jedes Gewicht, jede Fallhöhe. Besson suggeriert mit eingeblendeten Prozentangaben, dass die Wirkung der Droge eine Progression hat, Lucy mit wachsender Geistesleistung neue Kräfte gewinnt, doch dies bleibt bloße Behauptung – Lucy kann von Anfang an einfach alles, was die Situation gerade erfordert, ihre Superkräfte folgen keinen Regeln, was einerseits wieder die nicht unsympathische scheiß-auf-alles-Haltung des Films illustriert, andererseits aber auch dafür sorgt, dass nie irgendwas auf dem Spiel steht, da Lucy unverwundbar ist und schnell gar nicht mehr wirklich an der Action teilnimmt, sondern nur wie Neo in MATRIX kurz mit der Hand wedelt und damit alle Feinde entwaffnet und/oder zu Boden bringt. Die tatsächlichen Actionszenen bestehen dann, von einer kurzen, gut inszenierten Autofahr-Szene abgesehen, aus generischen Shootouts, die man so schon tausend mal gesehen hat und nichtmal beim ersten Mal interessant waren.

Es ist alles nur ein Vorwand, um Lucy und Morgan Freeman in einen Raum zu bekommen, damit sie uns gemeinsam eine Lektion über das Leben und den Sinn und kosmische USB-Sticks (oder so) erteilen können, die inhaltlich nahtlos an die ramblings der bekifften Deppenfreunde meines alten Mitbewohners anknüpft. Was ich sagen will: LUCY ist ziemlich dumm.

 


  1. Nochmal zum Mitschreiben: Das ist erwiesener Maßen Unsinn. Außer, wenn man LUCY bereits gesehen hat, dann kann man froh sein, wenn noch 10% übrig bleiben.  
  2. wirklich alle  

DAWN OF THE PLANET OF THE APES (PLANET DER AFFEN: REVOLUTION) oder: I give up

Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig es braucht, damit Kritiker einen Film für klug und tiefgängig und komplex halten. Am Größten war meine Verwirrung zuletzt bei GODZILLA, den Kritiker feierten und bei dem sie angesichts des angeblichen Tiefgangs (und der zugegeben hervorragenden Inszenierung des Monsters selbst) über die offensichtlichen Schwächen der Story und Charaktere hinwegsahen. DAWN OF THE PLANET OF THE APES setzt allerdings noch einen drauf: Wo GODZILLA immerhin die erwähnten Monster-Szenen zu bieten hatte, hat DAWN OF THE PLANET OF THE APES, naja, nichts. Und dennoch feiern Kritiker, auch kluge, ihn als smartes Blockbuster-Entertainment: Für Drew McWeeney von HitFix ist DAWN “a film that digs deep, that challenges not only the notion of what a studio blockbuster looks like but also how sequels are supposed to work in a commercial world, a movie about real ideas with a spectacular sense of character and mood”. “The final act of Dawn of the Planet of the Apes is as moving and thought-provoking as anything in the annals of socially conscious science fiction.” schreibt Devin Faraci bei Badass Digest. Josh Larsen (of Filmspotting-Podcast-Fame) vergleicht den Film gar mit Shakespeare: “The nods to Julius Caesar, Henry V and other Shakespearean histories and tragedies aren’t only shallow references, a way to give sci-fi a literary sheen. Because Dawn, like Rise, has envisioned its simian characters so fully, developed their world so intricately and told their story so deftly, the classic themes are given room to live and breathe. As a result, they’re as integral to the film’s tapestry as the stunning special effects.”

Ich sag mal so: Wenn das hier Shakespeare ist, muss ich wohl Ira Glass zustimmen, der kürzlich auf Twitter eine kleinere Kontroverse auslöste, als er schrieb: “Shakespeare sucks.”1

DAWN OF THE PLANET OF THE APES ist kein tiefgängiger Film. Es ist ein Film mit Message, doch die beschränkt sich auf ”Can’t we all just get along?”. Nach der PV unterhielt ich mich mit einem Kollegen, der den Film dafür lobte, dass er keine einfachen Antworten liefere, dass er auf eine einfache gut/böse-Einteilung der Seiten (Menschen vs. Affen) verzichtet. Das stimmt, doch wie US-Kollege Vince Mancini schreibt: “You only get credit for not offering easy answers if you actually ask a hard question”. Die Maxime, einfache Antworten zu vermeiden, halten Regisseur Matt Reeves und die Drehbuchautoren Mark Bomback, Rick Jaffa und Amanda Silver vor allem dadurch ein, dass sie sich in Allgemeinplätze flüchten und sich weigern, tatsächlich Stellung zu beziehen, tatsächlich irgendwas zu sagen, dem potentiell auch nur ein einziger Zuschauer widersprechen könnte – das ist nicht komplex oder, was weiß ich, fair and balanced, es ist nur feige, und es ist doppelt bitter, bedenkt man, dass die PLANET DER AFFEN-Reihe in der Vergangenheit nicht gerade mit klarer Positionierung hinterm Berg gehalten hat – mit der radikalen Misanthropie des Originalfilms muss man nicht übereinstimmen, aber immerhin bietet sie Angriffsfläche, man kann sich daran reiben, darüber diskutieren, sich darüber aufregen. DAWN OF THE PLANET OF THE APES will unbedingt ernst genommen und gehört werden, sagt dann aber nur “Krieg ist doof”, damit das Publikum diese revolutionäre Message abnicken kann und sich alle gemeinsam so fühlen dürfen, als hätten sie etwas Gutes getan.

Nun muss ein Film natürlich nichts Neues oder Tiefgreifendes oder Kontroverses oder überhaupt irgendetwas aussagen, um gut zu sein. Doch DAWN OF THE PLANET OF THE APES hat eben auch darüber hinaus nichts zu bieten. Die Story um einen Damm, der im Gebiet der Affen liegt und den eine kleine Gruppe von Menschen reparieren möchte, um ihre Stromversorgung zu sichern, ist uninteressant und offensichtlich nur ein Vehikel, um die besagte, dünne Message des Films zu transportieren. Die Charaktere sind eindimensional und starr, keiner von ihnen macht eine Entwicklung durch, für Ambivalenz ist kein Platz – was besonders bei Caesar (Andy Serkis), dem Anführer der Affen, ein Bisschen eklig ist, bietet der Film ihn doch durchgehend und kritiklos als good guy an, obwohl er von Anfang an im Grunde ein Diktator ist. Das Schauspiel ist auf Seite der Menschen entweder bis hin zur Karikatur übertrieben (Gary Oldman als einer der villains des Films) oder, ähm, nicht vorhanden (Hauptdarsteller Jason Clark). Auf Seite der Affen sieht es besser aus, sowohl Serkis als auch Toby Kebbell als der böse Affe Koba liefern gute Performances ab, allerdings steht ihnen das CGI im Weg – denn das ist zwar beeindruckend vom technischen Standpunkt aus, doch die Technik ist noch nicht so weit, dass man die Herkunft der Affen aus dem Rechner vergisst und sie als, naja, Affen statt als sehr beeindruckendes CGI wahrnimmt. Auch Reeves’ Inszenierung ist bestenfalls zweckdienlich, wirklich einprägsame Bilder findet er keine (selbst der Vorgänger hatte da im Finale mehr zu bieten) und in den unübersichtlichen Actionszenen fühlt man sich unangenehm an CLOVERFIELD erinnert.

Ganz ehrlich, ich bin mir nicht sicher, warum wir überhaupt über diesen Film reden. DAWN OF THE PLANET OF THE APES ist nur ein weiterer dieser hyperseriösen, humorlosen Blockbuster, von denen die Kinos in den letzten Jahren überschwemmt werden. Die dadurch, dass sie sich selbst wahnsinnig ernst nehmen, Tiefgang vortäuschen und damit letztlich nur zu kaschieren versuchen, dass sie nicht nur keine eigenen inhaltlichen oder inszenatorischen Ideen haben, sondern auch an ganz basalem Storytelling-Handwerk wie dem Etablieren halbwegs interessanter Charaktere scheitern2. Warum auf gerade diesen jetzt auch so viele kluge Kritiker reinfallen? Ich habe nicht die geringste Ahnung.

 

Kinostart: 07.08.2014

 


  1. Shakespeare doesn’t suck. For the record.  
  2. ungleich: bewusst darauf verzichten  

Wasting Away #20: Mister USB-Stick (JOHNNY MNEMONIC, 22 JUMP STREET, PLANET DER AFFEN)

Die 20. Folge Wasting Away ist hier, und nach der kompakten #19 gibt es diesmal eine Super Sized-Version unseres Podcasts,  mit neuen Streaming-Empfehlungen, Besprechungen zu 22 JUMP STREET und DAWN OF THE PLANET OF THE APES, sowie dem besten Nicolas Cage-Film, in dem Nicolas Cage nicht mitspielt: JOHNNY MNEMONIC.

Wenn euch der Podcast gefällt, freuen wir uns über eine Bewertung und/oder ein Review bei iTunes.

00:00:00 – Intro
00:06:00 – KITCHEN NIGHTMARES (ja, ernsthaft)
00:11:50 – MACHETE MAIDENS UNLEASHED
00:18:35 – ELAINE STRITCH: SHOOT ME
00:20:40 – LIFE ITSELF
00:34:35 – TUSK – Trailer
00:41:50 – 22 JUMP STREET
00:56:30 – PLANET DER AFFEN: REVOLUTION
01:35:40 – JOHNNY MNEMONIC

 

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JERSEY BOYS

Wenn man ein Film-Musical, oder einen Musikfilm, macht und sich dabei an existierendem Material bedient, dann ist das eine, was man gefälligst richtig zu machen hat, worauf man achten muss, bevor man sich mit irgendeinem anderen Aspekt des Films beschäftigt, die Inszenierung der Songs selbst – man muss zeigen, dass man die Musik liebt, versteht und verinnerlicht hat, man muss dem Publikum vermitteln, was gerade diese Songs besonders macht. Clint Eastwoods JERSEY BOYS, die Adaption des gleichnamigen Hitmusicals über die besonders in den 60ern erfolgreiche Popgruppe Frankie Valli and the Four Seasons, scheitert daran auf ganzer Linie: Aus einem, allen Reviews nach zu urteilen, mitreißenden, leidenschaftlichen Musical macht Eastwood ein aseptisches, in gedämpften Braun- und Grautönen gehaltenes Biopic, die Songs inszeniert er mit all der Grandezza, die man sonst von den Musikacts des ZDF Fernsehgarten kennt, und nie lässt er erkennen, dass ihm bewusst wäre, was die Four Seasons und Vallis Stimme so besonders machte.

Man könnte diesen Text also hier beenden – doch es ist Clint Eastwood, und auch, wenn der nicht unbedingt mein Lieblingsfilmemacher ist, hat er es doch verdient, dass wir zumindest versuchen zu verstehen, was genau er mit JERSEY BOYS versucht hat. Eine tatsächliche Überführung des Musicals auf die große Leinwand war es jedenfalls nicht.

Was, also, reizte Eastwood an der Geschichte der Four Seasons, wenn nicht die Musik? Zum Einen war es wohl die Mafia-Verbindung der Band: Gitarrist und (zunächst) Bandleader Tommy DeVito (Vincent Piazza) hat Beziehungen zu New Jerseys Mafia und auch sein Freund und späterer Sänger der Band, Frankie (John Lloyd Young), kann sich dem Einfluss von Don Gyp DeCarlo (Christopher Walken) nicht ganz entziehen. Das gibt Eastwood Gelegenheit, den Film mit einer GOODFELLAS-Hommage zu eröffnen und auch später immer wieder Szenen zu inszenieren, die eindeutig an Martin Scorseses Klassiker angelehnt sind – aber nie dessen Klasse, dessen Intensität, dessen Energie erreichen. Diese Mafia-Verbindung ist zum Anderen Auslöser für den Konflikt zwischen Tommy und Frankie, der später zum Bruch zwischen den beiden und der Auflösung der Band führen wird. Tommy ist derjenige, der Frankie “entdeckt”, ihn in seine Band holt und ihm damit den entscheidenden Schub für seine Gesangskarriere gibt – doch er ist auch derjenige, der Frankie (und die gesamte Band) zurückhält, der die Verbindung zur old neighbourhood nicht lösen kann und sich und seine Bandkollegen mit Glücksspiel und Geldanleihen von zwielichtigen Gestalten (fast) in den Ruin treibt. Im Grunde hat dieser Konflikt, diese Beziehung Potential als Stoff einer interessanten Geschichte, doch Eastwood verliert immer wieder den Fokus und löst sie letztlich in einer Szene auf eine Weise auf, die, so scheint es, weniger dazu dient, den Zuschauer mitfühlen zu lassen, als dazu, Valli (der einen Executive Producer-Credit hat) als geradezu engelsgleichen Wohltäter dastehen zu lassen.

Davon ab ist JERSEY BOYS Biopic-Stangenware: Es geht um Aufstieg und Fall, rags-to-riches, die Verlockungen des Ruhms und den Effekt, den eine Künstlerkarriere auf das Privatleben haben kann. Doch diese Geschichte haben so viele Filme, von ALMOST FAMOUS bis WALK THE LINE, besser und mit größerem Interesse für die (fiktiven oder realen) Künstler und die Menschen dahinter erzählt. Tatsächlich ist Eastwoods Storytelling, basierend auf einem Drehbuch der Autoren des Original-Musicals, Marshall Brickman und Rick Elice, nicht nur unmotiviert, sondern teils erschreckend inkompetent: Das Brechen der vierten Wand, wenn die vier Mitglieder der Band direkt in die Kamera sprechen, soll theoretisch verschiedene Erzählperspektiven signalisieren, doch JERSEY BOYS hat eigentlich gar keine Perspektive, bleibt zu jeder Figur auf Distanz, sodass das ohnehin nur sporadisch, an gefühlt zufälligen Punkten eingesetzte In-die-Kamera-Sprechen der Figuren in mir vor allem den Impuls auslöste, “Show, don’t tell!” Richtung Leindwand zu rufen; Zeitsprünge werden auf eine Weise eingesetzt, die weniger gezielt wirkt als eher so, als hätte Eastwood schlicht noch ein paar Details vergessen, die er auf diese Weise nachliefern möchte; Charaktere, wichtige Charaktere wie Vallis Frau und seine Tochter, werden viel zu spät und aus dem Nichts eingeführt (bzw. nicht eingeführt – es wird unberechtigter Weise davon ausgegangen, dass wir die Figuren schon kennen), nur um dann, z.B., Minuten später zu sterben, sodass die daraus resultierenden “emotionalen” Momente unverdient wirken und nicht ihren gewünschten Effekt erreichen.

Vielleicht das Deprimierendste: Die eine echte Musical-Nummer des Films, über die der Abspann läuft, ist vielleicht nicht die mitreißendste Musical-Szene der Filmgeschichte, aber doch das klare Highlight des Films, sie wirkt so viel lebendiger als alles, was wir zuvor gesehen haben. JERSEY BOYS ist ein erschreckend blutleerer, unkonzentrierter, motivationsloser Film, der dem verdienten, kompetenten Filmemacher namens Clint Eastwood nicht gerecht wird – böse könnte man sagen, dass man beim Schauen das Gefühl hat, dass dieser hier gar nicht am Werk war, sondern der verwirrte alte Mann, der damals mit einem Stuhl gesprochen hat.

 

Kinostart: 31.07.2014

Rumors of the spoof movie’s death have been greatly exaggerated: 22 JUMP STREET & THEY CAME TOGETHER

Es wäre interessant zu wissen, an welchem Punkt im langen, komplizierten Entwicklungsprozess eines Hollywood-Franchise für gewöhnlich die Entscheidung fällt, Phil Lord und Christopher Miller mit der Realisierung des Projekts zu beauftragen. In meiner Vorstellung traut sich irgendwann, in irgendeinem Sitzungsraum voll mit big shot Executives ein Praktikant oder ein Assistent zwischen zwei Gängen zur Kaffeemaschine, seine Stimme zu erheben und zu sagen, “Wir wissen aber schon alle, dass das hier eine grund-doofe Idee ist, oder?” und dann sind erstmal alle im Raum empört, bis der “Biggest Shot” irgendwas wie “Let him speak.” sagt und alle werden still und der Praktikant oder Assistent führt aus, dass doch niemand ernsthaft glauben kann, dass die Verfilmung eines Kinderbuches, das nichtmal Charaktere hat oder ein Reboot einer 80er-Jahre-Serie, die schon damals cheesy wirkte oder ein abendfüllender Werbeclip für Plastikklötze eine gute Idee ist. Und dann ist kurz betretene Stille und es schauen alle gebannt den Biggest Shot an und der seufzt und sagt zum Praktikanten oder Assistenten, “Ruf Lord und Miller an.”

Und dann kommen Phil Lord und Christopher Miller und machen aus den schlechtesten Ideen Hollywoods die besten Filme, die dem Blockbuster-Kino in den letzten Jahren passiert sind. Den bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere markierte der ebenfalls dieses Jahr erschienene THE LEGO MOVIE, den ich ohne Übertreibung als Meisterwerk bezeichnen würde. 22 JUMP STREET ist im Vergleich dazu eine Fingerübung, doch er zeigt, wie sehr Lord und Miller ihre Art des Blockbuster-Kinos mittlerweile perfektioniert haben, wie sie aus ihrem Genie Routine gemacht haben und so selbst das müdeste, uninspirierteste “Genre”, das es gibt, das Comedy-Sequel, frisch und neu erscheinen lassen können. Ja, man könnte gar glaubhaft argumentieren, dass 22 JUMP STREET das beste Comedy-Sequel der Filmgeschichte ist.

Der Film funktioniert, weil Lord und Miller die Meta-Ebene, die im ersten Teil bereits vorhanden, aber größtenteils doch eher Subtext war, hier in den Vordergrund rücken, bis zu dem Punkt, an dem 22 JUMP STREET zum Spoof-Movie für Sequels aller Art wird. Der Plot ist identisch zu dem des Vorgängers, mit dem einzigen Unterschied, dass Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum) diesmal im College statt in der High School undercover ermitteln, um die Quelle einer neuen, gefährlichen Droge zu finden. Dies – die Ähnlichkeit im Verlauf der Ermittlungen – ist Anlass für unzählige Witze, angefangen mit Nick Offermans Police Captain, der Jenko und Schmidt im Briefing für ihre Mission anweist, es “genau so wie beim letzten Mal” zu machen. Immer wieder benennen Figuren genau das, was uns Filmfans an Sequels stört, und irgendwie ist es jedes Mal aufs Neue lustig, wenn sich die Charaktere innerhalb der Handlung explizit beschweren, wie vorhersehbar der Fall ist oder dass eine solche Ermittlung beim zweiten Mal nie so gut ist wie beim ersten.

Die andere wichtige Quelle für den Humor im Film ist erneut die Beziehung zwischen Schmidt und Jenko, und hier ist die starke Betonung der Meta-Ebene ein zwiespältigeres Vergnügen. Erneut ist die Beziehung ein Vehikel für diverse Referenzen auf den homoerotischen Subtext von Buddy Cop-Movies, und erneut macht das eine Menge Spaß, besonders, wenn Schmidt mit dem Footballer Zook (Wyatt Russell) einen Nebenbuhler um Jenkos, ähm, Liebe bekommt (inklusive explizit benanntem meet cute), was zu von Jonah Hill grandios gespielter Eifersucht seitens Schmidt und von Tatum mit wunderbarer Naivität intonierten Zeilen wie “Maybe we should investigate other people” führt. Doch was dieses Mal fehlt, ist die Verwurzelung solcher Momente in authentischen Gefühlen der beiden Figuren zueinander – die Beziehung ist nur Meta-Ebene, das durchaus berührend-romantische, das sie im ersten Teil hatte, fehlt hier, ob bewusst oder unbewusst. Nach wie vor funktioniert das ganze als smarte Dekonstruktion von Buddy Movie-Klischees und stellenweise auch als Herausforderung des mit jeder Menge gross out-Humor auch dieses Mal wieder bedienten Fratboy-Publikums und dessen (unterstellter) Homophobie, doch der erste Teil und, um noch eine Nummer höher zu greifen, Edgar Wrights HOT FUZZ haben gezeigt, dass dies nicht auf Kosten der Involviertheit und des Mitfühlens des Zuschauers gehen muss – wenn überhaupt funktionierte zumindest das Homoerotische noch eine Nummer besser im ersten Teil, denn wenn die Beziehung wie hier wirklich gar nicht ernst genommen wird, ist es, obwohl 100% und für kluge Zuschauer sofort erkennbar nicht so intendiert von Lord und Miller, für die weniger sympathischen Zeitgenossen im Publikum durchaus möglich, das Ganze als “Haha, die sind ja schwul! Voll bäh!”-Witz zu sehen, was im ersten Teil kaum und definitiv nicht in HOT FUZZ möglich war.

Auch Schmidt neues Love Interest, Studentin Maya (Amber Stevens) leidet unter der starken Betonung der Meta-Ebene, denn anders als Brie Larsons Figur im ersten Teil wird sie nie zum eigenständigen, lebendigen Charakter, sondern bleibt rein funktional, ein McGuffin, damit Schmidt einen der villains, Mayas Mitbewohnerin Mercedes (brillant: Jillian Bell) kennenlernen kann, und ein Setup für einige zugegeben sehr witzige Szenen, wenn ihr Vater (Ice Cube), der rein zufällig Schmidt und Jenkos Vorgesetzter bei ihrer Mission ist, von Schmidts Beziehung zu seiner Tochter erfährt. Mayas Subplot bekommt auch kein richtiges Ende, sondern verläuft einfach irgendwo im Sand, was angesichts der Tatsache, dass er ohnehin nie wirklich involvierend war, nicht so schlimm ist, aber noch einmal zeigt, wie wenig Interesse Lord und Miller und die Autoren Michael Bacall, Oren Uziell, Rodney Rothman und, ja, Jonah Hill (Story-Credit) daran hatten, eine tatsächlich interessante, unabhängig von der Meta-Ebene funktionierende Geschichte zu erzählen.

22 JUMP STREET funktioniert daher “nur” als Spoof-Movie und so richtig auch nur, wenn man den ersten Teil gesehen hat. Das macht ihn zum schwächeren der beiden Filme, aber auf dem Niveau, auf dem Lord und Miller agieren, ist auch das noch einer der besten Mainstream-Filme und vielleicht die lustigste Komödie des Jahres. Lord und Miller legen ein derartiges Tempo vor, fahren eine derartige Dichte an treffsicheren Gags auf, dass die fehlende emotionale Involviertheit im Grunde erst nachträglich und im direkten Vergleich mit dem Vorgänger auffällt – für sich genommen funktioniert 22 JUMP STREET perfekt, erreicht genau das, was er erreichen will. Dass dabei oft viele Gags übereinander geschichtet werden – Genre-Dekonstruktion in Popkultur-Referenz in gross out-Witz – dürfte außerdem dafür sorgen, dass 22 JUMP STREET auch mehrfachen Sichtungen standhält, ja, sie vielleicht sogar belohnt.

 

Kinostart: 31. Juli 2014


THEY CAME TOGETHER ist nicht ganz so gut wie 22 JUMP STREET – der Film ist auf den VOD-Plattformen, auf denen er in den USA zeitgleich mit einem (limitierten) Kinostart veröffentlicht wurde, gut aufgehoben – , doch es ist ein weiterer Film, den man gleichzeitig als “Spoof-Movie” und als “lustig” bezeichnen kann, was heutzutage ja eine echte Seltenheit ist.

Der Film von David Wain (WET HOT AMERICAN SUMMER) und mit Amy Poehler und Paul Rudd in den Hauptrollen ist eine Parodie auf Romantic Comedies, ein weiteres Genre, das einst großartige Filme hervorgebracht hat, dessen bloße Nennung heute aber Würgreflexe bei Filmfans auslöst. Eine Parodie dieses Genres ist daher genau die Sorte Film, die wir gerade brauchen, und entsprechend freute ich mich nach dem Trailer und angesichts des Regisseurs und der Besetzung auf den Film. Als ich ihn dann am Releasetag (der zufällig auf dasselbe Datum wie die PV zu 22 JUMP STREET fiel) gesehen habe, war ich zunächst ein Bisschen enttäuscht: Die Filme, auf die Wain und co. hier explizit verweisen, sind nicht die modernen, furchtbaren Romantic Comedies der Katherine Heigl-Schule, sondern die der 80er und 90er, insbesondere die aus der Feder von Nora Ephron – also die Romantic Comedies, die tatsächlich gut waren. Entsprechend ist THEY CAME TOGETHER eine wesentlich liebevollere, weniger angriffslustige Parodie als ich erwartet hatte, was nicht schlimm ist, den Film aber auch weniger relevant macht.

Doch nachdem diese – kleine – Enttäuschung verkraftet war, hatte ich großen Spaß mit THEY CAME TOGETHER. Der Film steht in der Tradition der großen ZAZ-Parodien und gefällt sich in seiner konsequenten, ununterbrochenen Albernheit – keine einzige Szene wird straight gespielt, keine Gelegenheit ausgelassen, noch einen großartig-dummen Witz zu machen. Es gibt ungefähr eine Million Szenen, in der das (nicht nur) RomCom-Klischee, dass Charaktere sich im Weggehen noch eine letzte Weisheit mit auf den Weg geben (“Wait, one more thing.” – “What?” – “Be careful!”) parodiert wird und meine Reaktion darauf entwickelte sich von anfänglichem Schmunzeln über genervtes Aufstöhnen zu lautem, unkontrollierbarem Lachen – die kindliche Freude, mit der sich der ziemlich unglaubliche Cast (ich wüsste nichtmal, wo ich anfangen soll, die Beteiligten aufzulisten) in die herrliche Doofheit dieses Films wirft, ist ansteckend und bald fühlte ich mich zurückversetzt zu einem dieser Sonntagnachmittage in meiner Kindheit, an denen ich NAKED GUN oder AIRPLANE! auf Kabel 1 geguckt habe. THEY CAME TOGETHER ist kein Film für jeden, sondern den ausgewählten Teil des Publikums, der sowohl klassische Romantic Comedies als auch Spoof Movies liebt. Innerhalb dieser Gruppe hat er allerdings das Zeug zum Kult, denn es ist die Sorte Film, dessen Witze sich im Gedächtnis festsetzen und darauf warten, bei der nächsten “richtigen” RomCom zitiert zu werden. Ich jedenfalls werde nie wieder eine New Yorker Skyline sehen können, ohne in einen Monolog über New York, das ja selbst ein eigener Charakter in der Story ist, zu verfallen.

 

Jetzt auf (amerikanischen) VOD-Plattformen erhältlich, Kinostart / Deutschland-Release unbekannt.