Chronicle erzählt eine Superhelden-Geschichte im Found Footage-Look und vereint damit zwei „Genres“, die in den letzten paar Jahren so durchexerziert wurden, dass es fast unmöglich ist, mit ihren Mitteln noch originelle Geschichten zu erzählen. Wirklich Neues hat der Film dann auch tatsächlich keinem dieser Trends hinzuzufügen, doch Autor Mark Landis (Sohn von John Landis) und Regisseur Josh Trank wissen, wo die Stärken ihrer Geschichte liegen und holen aus der Idee doch mehr raus, als man anfangs erwartet.

Der Plot ist im Grunde eine düstere Interpretation des aus Spider-Man bekannten Leitsatzes „With great power comes great responsibility“: Drei Teenager, einer von ihnen Nerd Andrew, der in der Schule von Bullys und zu Hause von seinem Vater verprügelt wird und aus nie wirklich erklärten Gründen jeden wachen Moment mitfilmt, entdecken in einem Erdloch einen seltsamen Kristall, der ihnen telekinetische Kräfte verleiht. Albern sie anfangs mit ihren neu gewonnenen Superkräften lediglich rum, verliert Andrew (der von Anfang an ein besonderes „Talent“ für diese wie ein Muskel wachsenden Kräfte beweist) nach und nach die Kontrolle und setzt seine Macht gegen seine Mitmenschen ein.

Chronicle bricht das klassische Found Footage-Konzept – zu dem er sich ohnehin nur halbherzig bekennt, ist doch von Anfang an überdeutlich, dass die Bilder auf der Leinwand nicht mit der angeblich benutzten Kamera aufgenommen wurden – recht bald auf, indem durch die Einführung einer Vloggerin (Ashley Hinsaw) als Love Interest von Andrews ebenfalls mit Superkräften ausgestatteten Cousin Matt (Alex Russell) eine zweite Kamera eingeführt und dadurch, dass Andrew lernt, seine Kamera per Telekinese zu bedienen die Möglichkeit zu neuen, mit der typischen Handkamera nicht erreichbaren Einstellungen geschaffen wird. Man mag sich an dieser Stelle fragen, warum sich Trank überhaupt für die selten so unglaubwürdig umgesetzte Found Footage-Inszenierung entschied – und findet die Antwort im spektakulären, actionreichen Finale, dass durch den geschickten Einsatz von weiteren Kameras (News-Hubschrauber, Smartphones etc.) die Found Footage-Konventionen sprengt, sich aber dadurch, dass es zwar zwischen rasant verschiedenen Personen und damit Perspektiven springt, aber eben doch stets nur kleine, subjektive Ausschnitte aus dem Geschehen zeigt, auch von einem „klassischen“ Blockbuster-Finale abhebt. Im Grunde macht dieses Finale allein Chronicle bereits sehenswert, denn dass ein Film so mit dem Found Footage-Genre spielt und in diesem Gewand derart spektakuläre Bilder produziert, hat man so noch nicht gesehen. Bis dahin ist es aber ein langer Weg, der nicht nur in seiner Handhabung des Found Footage-Konzepts durchwachsen ist.

Chronicle will zwei Geschichten parallel erzählen: Zum Einen die Entwicklung Andrews vom Außenseiter zum Villain, zum Anderen Matts „Origin-Story“, seinen Weg zur Entscheidung, seine Kräfte für das Gute zu nutzen („With great power…“, you get the idea). Ersteres gelingt Landis und Trank auch sehr gut: Andrews Einsamkeit, sein anfängliches Misstrauen gegenüber seinen neuen Freunden, mit denen ihn doch zunächst nur die Superkräfte verbinden, sein kurzer Höhenflug, nachdem er bei einer Talentshow mit Hilfe der Telekinese als „Magier“ seine Mitschüler beeindruckt hat und seine Verzweiflung und schlussendlichen Rachegelüste, wenn auch alle Superkräfte seine menschlichen und emotionalen Probleme nicht lösen können – all das ist glaubwürdig, weil in der Figur Andrew von Anfang an angelegt (was zum Teil auch Dane DeHaans Performance irgendwo zwischen socially awkward und creepy zu verdanken ist). Andrews Weg zur „dunklen Seite“ erzählen Landis und Trank in weniger als 90 Minuten nachvollziehbarer und berührender, als es George Lucas über drei Filme bei der ähnlich gelagerten zentralen Geschichte der Star Wars-Prequels gelang.

Matt, auf der anderen Seite, ist von allen drei Hauptfiguren am wenigsten ausgearbeitet. Längere Zeit steht die Freundschaft zwischen Andrew und Steve (Michael B. Jordan), dem dritten im Bunde, im Mittelpunkt, während Matt oft von den anderen beiden getrennt wird und zur Randfigur verkommt. Es fällt schwer, ihn am Ende relativ unvermittelt als den eigentlichen „Helden“ des Films anzunehmen, da er als Figur bis zum Schluss recht blass bleibt (und Alex Russell anders als DeHaan auch schauspielerisch keinen großen Eindruck hinterlässt).

Ob man Chronicle mag oder nicht wird für viele aber letztlich wohl doch vor allem davon abhängen, wie man die Entscheidung zum Found Footage-Stil und den Umgang damit bewertet. Ich persönlich bevorzuge eine ansprechende visuelle Inszenierung gegenüber Konsequenz in der Umsetzung jederzeit, wer aber schon bei Cloverfield fragte, warum um alles in der Welt die Protagonisten trotz allem noch draufhalten sieht hier wahrscheinlich den größten Publikumsbetrug seit der Unendlichen Geschichte. Inhaltlich ist Chronicle jedenfalls, gerade angesichts der derzeitigen Überversorgung mit Superhelden und Found Footage, doch überraschend originell – wenn es auch manchmal schwer ist, den Film nicht nur mit kühlem Beobachter-Blick zu sehen und Empathie für die Charaktere zu empfinden.

Tagged with:
 

Es gibt ja Leute, die wünschen sich, wieder Teenager zu sein, oder den ersten Kuss und die erste Liebe noch einmal zu erleben. Ich wünschte, ich könnte noch einmal zum ersten Mal die Schlachtszene in Anchorman sehen. Das hier ist fast genauso schön: Ron Burgundy persönlich war bei Conan O’Brien und kündigte dort Anchorman 2 an. Keine Ahnung, was Paramount jetzt dazu bewegt hat, doch grünes Licht zu geben, nachdem Adam McKay das Projekt zuletzt für tot erklärte, aber ist ja auch egal. Anchorman 2!!!

Tagged with:
 

Ein paar Worte zu Hunger Games (irgendwann schreib ich auch mal wieder mehr zu irgendwas als “ein paar Worte”). Infos zum Film: moviepilot, Wikipedia.

Hunger Games ist irgendwie ein Witz ohne Pointe: In 2 1/2 Stunden erreicht der Film nicht viel mehr, als die Welt von Panem zu etablieren (und selbst das macht er mehr schlecht als recht, denn wirklich viel über den Zukunfststaat erfahren wir nicht). Anders als seine deutlich schwächere Vorlage, die wirklich so gar nicht versucht, Katniss’ Kampf in der Arena in einen größeren Zusammenhang zu bringen, schaltet der Film immerhin zwar hin und wieder aus der Arena, blickt hinter die Kulissen der Hunger Games oder in Katniss’ Distrikt und zeigt so in kleinen Ansätzen, welche Konsequenzen Katniss’ „Auftritt“ hat, doch im Großen und Ganzen beschränkt der Film sich auf Katniss’ Überlebenskampf und ist so weniger der Anfang, eher der Prolog zu einer (hoffentlich) größeren, komplexeren Geschichte in den Fortsetzungen. Angeblich soll das Ganze ja irgendwie satirisch sein, das funktioniert aber nicht so recht, weil Panem einfach keinerlei Bezug zum Amerika der Gegenwart hat und die ganze „Die Hunger Games halten die Bevölkerung vom Rebellieren ab“-Idee hinten und vorne keinen Sinn ergibt (können die Arbeiter aus gewerkschaftlichen Gründen nur einen Monat im Jahr rebellieren oder was?). Einzige Ausnahme in dieser Hinsicht oder wenigstens gut beobachtet ist bezeichnenderweise die von echten Cineasten™ (Twilight-Bashern) im Vorfeld als Basis für nur so mittelgut begründete Kritik vorgebrachte Liebesgeschichte, die immer auch (zumindest von Katniss’ Seite aus) ein Element der Inszenierung hat (man vergleiche z.B. die letzten Staffeln vom Dschungelcamp).

Trotzdem hat Hunger Games als Franchise ein gewisses Potential. Sei es diese gewisse Lust an Camp und Trash, die sich in der komplett ironiefreien Darstellung der völlig unplausiblen Technik des Films (schlecht getrickste Fantasy-Hunde können per Touchscreen ohne Zeitverzögerung an jedem Punkt in der Arena platziert werden) und den großartig schrillen Nebenfiguren zeigt (Stanley Tucci, der seine Rollen ja seit Jahren nur noch danach auswählt, wie fabulous sie sind, als Talk-Show-Host, Lenny Kravitz als Stylisten-Schwuppe), sei es die immerhin halbwegs komplexe und vor allem: eigenständige Hauptfigur die die immer wunderbare Jennifer Lawrence mit viel Präsenz und Charisma spielt (es stört mich allerdings ein Bisschen, mit welcher Selbstverständlichkeit Katniss, eine für mich jederzeit sympathische Figur, durchgängig als „unlikable“ bezeichnet wird, was ja nicht nur Woody Harrelsons Figur tut, sondern quasi zu einem Handlungstrang wird – anscheinend eben weil sie eigenständig, stark und komplex ist – aber hey, Katniss macht immerhin irgendwas, das ist ja nicht selbstverständlich im YA-Genre).

Wahrscheinlich mochte ich den Film aber vor allem deshalb, weil er sein Publikum ernst nimmt. Die Gewalt mag dank PG13 bedingtem Wackelkamera-Gehusche nicht explizit sein, doch sie ist durchaus greifbar, die Fallhöhe des Films eine andere, als man es in diesem Genre gewohnt ist. Für Katniss steht etwas auf dem Spiel und das spürt man, wenn sie geliebte Figuren sterben sieht, wenn sie selbst zum Töten gezwungen wird.

Wirklich gut ist Hunger Games deswegen nicht unbedingt, doch da ist eine Menge Luft nach oben, eine Menge ungenutztes Potential, das dann in den Fortsetzungen hoffentlich genutzt wird.

Tagged with:
 

Kurzreview zu Kevin Smiths neuem Buch Tough Shit (Quasi-Autobiographie mit ein paar Lebensratschlägen), auf Goodreads gepostet. Kann man ja ruhig auch hier mit reinnehmen. 

Als Fan kennt man natürlich einen Großteil der Geschichten in Kevin Smiths erstem “richtigem” Buch (nach Sammlungen seiner Artikel und Blogeinträge sowie diesem merkwürdigen Podcast-Transkript-Buch) und “Life Advice” meint auch vor allem Variationen von “be yourself” und “anybody can do this”, allerdings sind das zwar altbekannte, aber sicher keine schlechten Ratschläge und wenn Smith von “whiney emo-bitch” Bruce Willis, seinem Southwest Airlines-Debakel oder dem ersten Treffen mit seinem Idol George Carlin erzählt ist das auch zum wiederholten Mal noch gewohnt lustig, voll von smarten Beobachtungen und Ideen und oft überraschend berührend – die Fähigkeit, im selben Satz pubertäre Genitalwitze und anrührende Aufrichtigkeit unterzubringen, die auch seine besten Filme ausmacht, hat Smith noch immer nicht verloren.

Tough Shit ist also (zum Glück) weniger der angekündigte Ratgeber als ein Best of der diversen An Evening with Kevin Smith Q&A-Filme (auch wenn die wirklich grandiose Superman Lives-Geschichte, trotz Tim Burton-Zitat auf dem Cover, fehlt) und es soll ja Leute geben, die diese nicht gefühlt monatlich erneut ansehen. Dazu kommen ein paar Stoner-Weisheiten, die niemandem wehtun und nicht nerven, wenn man dafür empfänglich ist aber durchaus das Potential haben, dieselbe “Let’s make a movie!”-Euphorie auszulösen wie damals, als man zum ersten Mal Clerks oder Chasing Amy sah. So war es zumindest bei mir, aber ich war ja selbst wegen der Kevin Smith-Reality Show Woche für Woche ganz aufgeregt – vielleicht sollte man hier nicht auf mich hören.

Tagged with:
 

Ich bin ja großer Fan von Doug Bensons Podcast Doug Loves Movies und fand auch seinen Super High Me ziemlich unterhaltsam. Insofern freue ich mich hierauf ein Bisschen, auch, wenn der Trailer jetzt nichts wirklich bemerkenswertes zeigt: The Greatest Movie Ever Rolled. Im Grunde eine Tourdoku über Benson und Kumpel Graham Elwood.

Tagged with:
 

Nachdem ich ihm mittlerweile knapp 3 Monate Zeit gegeben habe, kann ich nun endgültig sagen: 2012 macht, entgegen aller Erwartungen, denn eigentlich verändert sich zum Jahreswechsel ja immer alles, da weiter, wo 2011 aufgehört hat, zumindest in Sachen Popkultur und was anderes soll uns hier nicht interessieren. Das nervt einerseits: Im Kino gibt es zwar einiges angenehmes oder wenigstens ansehbares, aber wenig bemerkenswertes (lediglich Young Adult und 50/50 fand ich bisher interessant genug, darüber mehr als “war okay” zu schreiben) und das Internet glaubt noch immer, dass Memes und Ragecomics lustig sind.

Andererseits ist mein Musikkonsum auch dieses Jahr bisher geradezu ein einziger Freudentaumeln (anders als in Memes und Ragecomics behauptet ist Popmusik zur Zeit so gut wie selten zuvor), was vor allem daran liegt, dass diejenigen meiner Lieblingsbands und -künstler, die nicht im letzten Jahr bereits neue Alben veröffentlicht haben, dieses Jahr dran sind (und ich ansonsten ziemlich scheuklappig unterwegs bin – das, glaube ich, einzige bisher von mir gekaufte Album, das nicht von einem Interpreten stammt, den ich bereits kannte und mochte, ist das von Lana Del Rey; selbst das finde ich allerdings ein kleines Bisschen super, obwohl es einige schlimmsten Lyrics der Musikgeschichte enthält). Jedenfalls: Nach großartigen Alben von John K. Samson und kettcar Anfang des Jahres veröffentlichten dieser Tage die Shins und Olli Schulz ihre neusten Platten oder, damit die jungen Leute verstehen, von wem die Rede ist, die Band, von der Natalie Portman in Garden State schwärmt und der Besoffene aus neo Paradise.  Nachdem ich zu jedem der zuvor genannten Alben eigentlich ausführliche Reviews schreiben wollte, es aber zu keinem einzigen getan habe, will ich diese beiden an dieser Stelle zumindest in Kurzform besprechen:

“Die Band, von der Natalie Portman in Garden State schwärmt” sind die Shins eigentlich längst nicht mehr. Wörtlich, weil vom Personal der ersten vier Alben kaum jemand übrig ist und es sich mittlerweile eher um James Mercer plus Backing Band handelt. Und im übertragenen Sinne, denn die Songs auf Port of Morrow, dem fünften Album der Band (des Projekts?) und dem ersten nach dem Debüt von Mercers Zweitband (nicht -projekt!) Broken Bells klingen nicht mehr wie der Soundtrack zu einer verschrobenen Indie-Dramödie mit Zach Braff und der 2004er, damals noch als quirky und egdy durchgehenden Natalie Portman als wie der zu einer romantischen Komödie mit, sagen wir, Ashton Kutcher und der 2011er Natalie Portman, die so mainstreamig und glatt ist, dass sie in allem mitspielen kann und das auch tut (z.B. in romantischen Komödien mit Ashton Kutcher). Oft genug aber ist ja der Soundtrack das Beste an solchen Filmen (auch wenn ich mich im angesprochenen Fall nicht dran erinnern kann) und so ist Port of Morrow halt kein verschrobenes Indie-Juwel wie die Vorgänger, sondern ein lupenreines Popalbum, und zwar ein gutes.

Die Verspieltheit vergangener Shins-Alben geht den neuen Songs meist ab, auch die Texte sind weniger hintergründig und Mercers Stimme überschlägt sich nicht mehr so schön wie früher, kurz: Die Shins 2012 sind nicht mehr so quirky und edgy wie früher, doch die bittersüße Melancholie haben sie nicht verloren und Mercer gelingen immer noch einige unwiderstehliche Songs wie das mellow For a Fool oder das mit einer absoluten Killer-Hookline gesegnete It’s Only Life. Und wenn man ehrlich ist: So schön die beiden deutlich eher nach den bisherigen Shins-Platten klingenden Vorab-Songs waren, musste man doch auch eine gewisse Formelhaftigkeit attestieren – auch beim x-ten Durchgang erwarte ich noch, dass sich an die Strophen von Simple Song der Refrain von Gone for Good anfügt.

In die andere Richtung gegangen ist Olli Schulz: Nachdem er sich auf Es brennt so schön, seinem ersten Album ohne Anhängsel “Der Hund Marie” alias Max Martin Schröder als Bandleader gab und ein recht glattes, abgesehen von wenigen Highlights (So lange einsam und vor allem das tolle, bezeichnenderweise als einziges Lied im zurückgenommenen Singer-Songwriter-Gewand aufgenommene Bloß Freunde) auch belangloses Popalbum ablieferte, präsentiert er mit S.O.S. – Save Olli Schulz (der Titel reflektiert hier den langwierigen Veröffentlichungsprozess) eine Rumpelplatte, die so klingt, als hätte Olli sie mit ein paar guten Freunden zwischen zwei Auftritten auf der Hotelbettkante aufgenommen, also genau so, wie ein Olli Schulz-Album klingen sollte. Mit kleinen Ansagen, absurden Zwischenspielen und unsauber gespielten Schrammelgitarren verdient er sich wieder das in jedem einzelnen Text über die ersten beiden Platten mit Hund erwähnte Prädikat “charmant” und schafft es, einen kleinen Teil der kumpelhaften Atmosphäre einzufangen, die seine Live-Auftritte ausmacht (ich war vor ein paar Jahren auf einem Olli Schulz-Konzert, auf dem er vor dem musikalischen Teil aus seinem noch immer nicht erschienenen Buch vorlas; danach wurden die Zuschauer gebeten, doch kurz beim Zusammenräumen der für den Lesungsteil aufgestellten Stühle zu helfen – wie super ist das bitte?).

Das wichtigste aber: die neuen Songs sind wirklich, wirklich gut. Sie sind kürzer, pointierter und reduzierter als auf dem Vorgängeralbum, eindeutig mit dem Hintergedanken produziert, dass sie live von Olli Schulz allein mit Akustikgitarre interpretiert werden müssen und sie verzichten auf allen überflüssigen Balast. Viel braucht er eben auch nicht, um zu berühren: Ob er im Opener Wenn es gut ist zu dahingerotzter Gitarre und polterndem Schlagzeug augenzwinkernde Lebensweisheiten verkündet (“Liebe ist so doof, wenn man am Ende nur bezahlt”) oder im Herzstück des Albums Koks und Nutten weitestgehend ganz allein mit seiner Gitarre (hier kurz ein Piano, da ein paar Chöre) von einer gescheiterten Rock’n'Roll-Existenz erzählt und dabei “Reamonn” und das “Uni-Fest in Stuttgart” erwähnt – die Songs auf S.O.S. sind kleiner, unscheinbarer als auf Es brennt so schön, aber in ihrer rauen Direktheit auch nicht mehr so belanglos, sondern –Achtung, Musikjournalistendeutsch – authentisch, ehrlich und, ja, charmant. Man darf froh sein, dass Olli Schulz den Bandleader…hut oder was immer einen Bandleader so auszeichnet vorerst an den Nagel gehängt hat und zurück ist in seiner Nische als kauziger Singer-Songwriter.

Tagged with:
 

Community ist zurück, mit einer recht “normalen” Folge, also einer mit konventioneller Sitcom-Dramaturgie. Solche Folgen sind nicht unbedingt der Grund, warum die Serie so eine Kult-Anhängerschaft bekommen hat, aber zu einem Zeitpunkt, wo es vor allem darum geht, neue Zuschauer abzuholen, macht das durchaus Sinn. Insofern unterschreibe ich dieses Review beim A.V.-Club. Allerdings bleibe ich etwas vorsichtiger in meiner Hoffnung, ob die Serie wirklich fortgesetzt wird. Im Internet, zumindest in der kleinen Ecke, in der ich es mir gemütlich gemacht habe, war man in den letzten Tagen und Wochen kaum sicher vor Community und die Serie erfährt beeindruckenden Support, aber wie sich das in tatsächliche Zuschauerzahlen übersetzt vermag ich nicht zu beurteilen. Zu wünschen ist der Show der Erfolg unbedingt, ich bin mir mittlerweile recht sicher, dass wir es hier mit einem zukünftigen Klassiker vom Schlage eines Arrested Development zu tun haben.

Tagged with:
 

The central problem with Community for a lot of people is always going to be that it’s a lot of work for the show to be both intellectually and emotionally satisfying. You have to travel a lot further to find these characters at all loveable (or, better, empathetic) than you do with a show like Parks And Rec. It’s a series that purposefully holds its audience at a bit of a distance, and dares said audience to find it off-putting. It’s totally legitimate to find it ridiculous to put in that much work for something that is, fundamentally, rather silly. There are weeks I’d agree with that criticism, actually, and there’s nothing wrong with being annoyed by the show’s insistence you recognize how clever it is.

Steven Hyden und Todd VanDerWerff vom A.V. Club diskutieren Community. Ich hab ja damals auch eine Weile gebraucht, bis ich die Serie mochte und dieses im Artikel angesprochene “clever for the sake of being clever”-Argument hatte ich damals auch im Kopf. Mittlerweile sehe ich Community mehr wie einen Cartoon als eine Sitcom, soll heißen: Die Anspielungen, die clevere Struktur einzelner Folgen, die hohe Gagdichte und die für 22min Comedy recht komplexe Analyse von Gruppendynamik ist mir wichtiger als echte Charakterentwicklung.
Lesen sollte man den Artikel aber allein deshalb, weil sachliche Diskussionen mit Argumenten und Inhalt und so im Internet jetzt nicht gerade Alltag sind – hiervon können wir alle was lernen.

Tagged with:
 

OK, zu Kony 2012 und Invisible Children ist mittlerweile eigentlich alles gesagt, aber niemand bringt die Bedenken gegen Invisible Children so unterhaltsam und pointiert auf den Punkt wie Charlie Brooker:

 

Da deusxcinema.de (ein Filmblog, das ich quasi mitgegründet, dann aber recht schnell wieder verlassen habe) bald schließt, ich meine dort veröffentlichen Texten gerne aber weiter irgendwo im Netz stehen lassen will, kopier ich sie jetzt hier rüber. Entschuldigt daher die Reihe von recycelten Texten.

Man ahnt Schlimmes zu Beginn von Melancholia: Zu Wagner-(!)Klängen und in Slo-Mo kurz vor Standbildern (die auch eher unter „nett anzusehen“ als „beeindruckend“ fallen) zeigt Lars von Trier seine surreale, ultra-pathetische Weltuntergangsversion – und beschäftigt sich dann die gesamte erste Hälfte des Films fast gar nicht mehr damit.

(c) Concorde Filmverleih

Stattdessen steht im ersten von zwei Teilen die Hochzeit von Justine (Kirsten Dunst) im Vordergrund. Auf dem Anwesen ihrer Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) und ihres Schwagers John (Kiefer Sutherland) feiert sie ihre Vermählung mit Michael (Alexander Skarsgård), dem Sohn ihres Chefs (Stellan Skarsgård). Während ihre geschiedenen Eltern mit destruktivem, misanthropem (Mutter Gaby, Charlotte Rampling) bzw. schamlos-vulgärem Verhalten (Vater Dexter, John Hurt) jeweils auf eigene Weise ihr Desinteresse an der gemeinsamen Tochter und deren Hochzeit zeigen und gefühlt jeder andere Hochzeitsgast Justine erklärt, dass sie glücklich sein muss, entfremdet sie sich immer weiter von der Party und ihrem Ehemann.

Continue reading »

Tagged with:
 
Set your Twitter account name in your settings to use the TwitterBar Section.