Wasting Away #15 – Very Few Funny Things Happened on the Way to Sodom

In Erinnerung an den kürzlich verstorbenen Harold Ramis erfüllen wir ihm seinen letzten Wunsch, den wir uns überhaupt nicht in keinster Weise ausgedacht haben, und erklären, warum sein letzter Film YEAR ONE ein ziemlicher Griff ins Klo ist – und nebenbei was seine anderen Filme so großartig macht.

Vorher allerdings gibt es eine für Wasting Away-Verhältnisse ungekannte Menge an Empfehlungen, nämlich zwei (2): THE LEGO MOVIE & MUPPETS MOST WANTED.

00:00:00 – THE LEGO MOVIE
00:26:30 – MUPPETS MOST WANTED
00:50:00 – YEAR ONE

Wasting Away auf iTunes.

Wasting Away im RSS-Feed.

Marcus Wiebusch – Der Tag wird kommen

Eigentlich finde ich diesen Song hier ja etwas pathetisch und alles, was länger als 4 Minuten dauert und trotzdem Popmusik sein will ist erstmal irgendwie prätentiös. Und eigentlich ist es auch etwas seltsam anzuhören, wie Marcus Wiebusch sich am Rapper-Duktus versucht (wobei “manche sagen es wär’ einfach/ich sage es ist heikel/du bist New York City/und ich bin Wanne-Eickel” natürlich schon immer der Reim war, den deutsche Rapper seit 20 Jahren zu schreiben versuchen). Und eigentlich ist alles, wo’s um Fußball geht, natürlich grunduninteressant.

Aber in Zeiten, in denen “Ich bin homophob und das ist auch gut so” als eine legitime, ja mutige Meinungsäußerung durchgeht, sind genau solche Songs, 7-minütige Epen über Homophobie im Fußball, in genau dieser Sprache, einer Sprache, die auch die “Hater” verstehen, wahrscheinlich genau die Sorte Song, die man schreiben muss. Und wenn sowas schon jemand schreiben muss, dann bitte Marcus Wiebusch, weil der wahrscheinlich der einzige ist, der das kann. Also bitte:

All ihr homophoben Vollidioten, all ihr dummen Hater

All ihr Forums-Vollschreiber, all ihr Schreibtischtäter

All ihr miesen Kleingeister mit Wachsstumsschmerzen

All ihr Bibel-Zitierer mit euerm Hass im Herzen

All ihr Funktionäre mit gemeinsamem Nenner

All ihr harten Herdentiere, all ihr echten Männer

Kommt zusammen und bildet eine Front

Und dann seht zu was kommt

(Album erscheint am 18.04. und wird mit hoher Sicherheit super.)

Leaked TV script: Charlie Kaufman’s THE OFFICE

Charlie Kaufman's THE OFFICE

The reboot-craze, which has been a trend in cinema for the past couple of years, has reached TV. The newest retooling of a beloved classic will be a reboot of THE OFFICE, developed by none other than Charlie Kaufman. The pilot for this project, which was in no way written by me in about 10 minutes at 5am this morning, has leaked. Here is a sneak peek (PDF):

Charlie Kaufman's THE OFFICE p.2

Charlie Kaufman's THE OFFICE p.3

R.I.P. Harold Ramis

Wenn man über kürzlich verstorbene Prominente/Künstler schreibt, besteht oft die “Gefahr”, wenn man es denn so nennen will, den Einfluss ihres Werks – auf die (Pop-)Kultur, auf sich selbst – übertrieben darzustellen. Bei einem Text über Harold Ramis gibt es diese Gefahr nicht. Wer irgendwann zwischen den 70er und 00er Jahren aufgewachsen ist, Filme mag und nicht prinzipiell dagegen ist, dass diese Humor enthalten, auf den hatte Ramis irgendeinen, und sei es auch kleinen, Einfluss. Ich persönlich wäre ohne den Regisseur, Schauspieler und Autor Harold Ramis, das ist ein Klischee, aber wenn es doch stimmt, nicht der, der ich heute bin.

Wie der bereits 2009 verstorbene John Hughes war Ramis, ohne, dass mir das klar war, ein Held für mich, bevor ich mir Namen von Schauspielern merken konnte, bevor ich überhaupt wusste, was ein Regisseur so macht oder dass die lustigen Sprüche in Filmen geschrieben werden und den Schauspielern1 nicht spontan einfallen, sobald die Kamera läuft. Irgendwann stellte ich fest, dass ein Großteil der Filme, die ich als Kind geliebt habe – oder zumindest die, die es für mich auch später, als “anspruchsvoller” Filmfan, noch wert waren, gesehen zu werden – von derselben Handvoll Menschen gemacht wurden, Menschen wie Ivan Reitman, John Hughes oder eben Harold Ramis (einzeln und in unterschiedlichen Regisseur/Autor/Darsteller-Kombinationen). Eins der vielleicht schönsten Gefühle, die man als Filmfan haben kann, ist einen Film, den man zum ersten Mal mit 11 auf Kabel 1 gesehen hat, als erwachsener Filmfan wiederzusehen und festzustellen, dass der Film wirklich gut und nicht nur durch die Augen eines leicht zu begeisternden Kindes unterhaltsam ist. Dieses Gefühl hatte und habe ich beim Schauen von beinahe jedem Film, an dem Ramis in den 70er-90er Jahren in irgendeiner Form beteiligt war.

Was Ramis’ Filme für mich so attraktiv machte – abgesehen von der Tatsache, dass Bill Murray in den meisten davon mitspielte2 – ist wahrscheinlich seine bedingungslose Loyalität und Liebe zu Underdogs, Verlierern, Außenseitern (auch das teilte Ramis mit John Hughes): Die Bruderschaft in ANIMAL HOUSE, die als Antithese zur elitär-inzestuösen Mitgliederauswahl anderer Frats eine Heimat für die Weirdos und Ausgestoßenen des Campus bot, Bill Murrays väterliche Fürsorge für das “short depressed kid” in MEATBALLS und die Rivalität mit dem schnöseligen Elite-Camp, die humoristischen Attacken auf die versnobte Country Club-Elite in CADDYSHACK – Ramis’ Vorliebe für slobs vs. snobs-Comedy ist in seinem Werk von Anfang an offensichtlich und ist Wasser auf die Mühlen eines jeden einsamen Nerds.

Die genannten Filme würden ausreichen, Ramis als eine Comedy-Legende zu etablieren. Aber da sind ja noch die beiden größten Filme in Ramis’ Filmographie: GHOSTBUSTERS und GROUNDHOG DAY. Erst Ramis’ Beteiligung als Co-Autor und Darsteller machte GHOSTBUSTERS, in Dan Aykroyds ursprünglicher Vision ein Vehikel für ihn und seinen Freund John Belushi als durch die Zeiten und Dimensionen reisende Super-Geisterjäger, zu dem Film, der er ist, letztlich einer weiteren Komödie über eine Gruppe von misfits, die am Ende triumphiert. Auch und gerade sein Schauspiel sollte man hier nicht übergehen – klar, Bill Murrays Peter Venkman ist der Ghostbuster, der wir alle gerne wären, doch in einem Reprise der Han Solo/Luke Skywalker-Konstellation war der Charakter, mit dem ich mich am meisten identifizierte, durch dessen Augen ich den Film erlebte, immer Ramis’ Egon Spengler, der Ghostbuster aus der zweiten Reihe, schüchtern, nerdy, leicht zu unterschätzen, aber eben auch the brains of the operation.

Ebenfalls leicht zu unterschätzen ist Ramis’ GROUNDHOG DAY. In einem der, meiner Meinung nach, besten Texte seiner Karriere, seinem Great Movies-Essay zum Film, artikuliert Roger Ebert besser als ich es je könnte die Größe des Films und das seltsame Paradox, dass zwar jeder GROUNDHOG DAY mag, aber kaum jemand ihn als das Meisterwerk anerkennt, das er ist:

It unfolds so inevitably, is so entertaining, so apparently effortless, that you have to stand back and slap yourself before you see how good it really is.[...]

What amazes me about the movie is that Murray and Ramis get away with it. They never lose their nerve. Phil undergoes his transformation but never loses his edge. He becomes a better Phil, not a different Phil. The movie doesn’t get all soppy at the end. There is the dark period when he tries to kill himself, the reckless period when he crashes his car because he knows it doesn’t matter, the times of despair.

Die “Moral” von GROUNDHOG DAY, wenn man es denn so nennen will, die Ebert identifiziert, ist die, die Ramis im Grunde seine ganze Karriere lang, in jedem seiner Filme, mit seinen Versagern, die über sich hinaus wachsen und Arschlöchern, die ihre Menschlichkeit entdecken, zu vermitteln versuchte:

Tomorrow will come, and whether or not it is always Feb. 2, all we can do about it is be the best person we know how to be.

Darum geht es natürlich in ungefähr jedem Film, der jemals gemacht wurde. Aber Ramis, genau, got away with it. Weil seine Filme im Kern so aufrichtig, so heartfelt waren, wie sonst nur, nochmal, die von John Hughes. Und weil sie um diesen Kern herum so anarchisch, albern und unglaublich komisch waren, dass einem zunächst gar nicht auffiel, dass Ramis auch tatsächlich etwas zu sagen hatte, dass er heimlich, wie ein geschätzter ehemaliger Kollege von mir es einmal  Hughes attestiert hat, zur “Erziehung unserer Herzen” beitrug.

 

 


  1. die nicht Bill Murray heißen
  2. Ramis half als Autor in gewisser Weise, Murrays On-Screen-Persona zu kreieren, die nicht nur das Zentrum einiger der lustigsten Komödien aller Zeiten, sondern auch die Vorlage für, u.a., Jeff Winger in COMMUNITY ist.

Berlinale-Reviews: GRAND BUDAPEST HOTEL, NYMPHOMANIAC 1, MONUMENTS MEN

Ein paar Reviews, die ich auf der Berlinale fürs Manifest geschrieben habe:

[…]Anders, als man angesichts der Vorab-Informationen – mehr als 4 Stunden Laufzeit, verteilt auf zwei Filme, Hardcore-Sex-Szenen usw. – erwartet hat, ist NYMPHOMANIAC VOLUME 1 von Triers vielleicht zugänglichster Film. Der Ton ist für den Dänen ungewohnt leicht, ja stellenweise unbeschwert. Es gibt eine Menge zu lachen. Und dem bisher oft schonungslosen Blick, den von Trier auf seine psychisch labilen Frauenfiguren warf, dem Suhlen in der Depression der Figuren (und seiner eigenen) setzt von Trier einen – von Ausnahmen abgesehen, aber dazu gleich mehr – ironisch-distanzierten Blick entgegen, er intellektualisiert und psychologisiert das Leid seiner Figuren mehr bzw. expliziter als zuvor und nimmt diesem so ganz bewusst die emotionale Direktheit.[…]

NYMPHOMANIAC 1 (LONG VERSION).

[…]Nach MOONRISE KINGDOM hatte ich ein Bisschen auch die Vermutung, dass ich Anderson und seinem Stil schlicht überdrüssig bin. Ich konnte nicht ganz artikulieren, was ich von Anderson erwartete, um mich wieder für seine Filme zu begeistern. GRAND BUDAPEST HOTEL gibt die Antwort: Anderson bleibt sich selbst und seinem Stil treu, wendet diesen allerdings auf ein für ihn neues, unerschlossenes Genre an. Das Ergebnis ist, wenn man so will, die Wes Anderson-Version eines Blockbusters: vielleicht nicht der tiefgängigste Film (welcher Anderson-Film war das schon?), aber dafür umso unterhaltsamer, ja spektakulärer.[…]

GRAND BUDAPEST HOTEL.

[…]Die einzige Erklärung, die mir für einen solchen Totalausfall eines, wie gesagt, durchaus nicht unfähigen Regisseurs einfällt, ist Arbeitsverweigerung. Es passt nicht zu Clooney, der bei der Promo zum Film durchaus so klingt, als handele es sich um ein Herzensprojekt, doch es scheint, als habe er den Film in dem Moment, in dem der Cast zusammengestellt war, als mehr oder weniger “fertig” verbucht. Tatsächlich ist die Besetzung beeindruckend und jeder der Beteiligten macht aus dem im Grunde nicht vorhandenen Material das Beste – gleichzeitig ist aber gerade das, Clooneys Unfähigkeit, wenigstens aus dem Zusammenspiel dieser Darsteller noch ein, zwei einprägsame oder wenigstens vergnügliche Momente herauszukitzeln, die letzte, eindrucksvollste Bankrott-Erklärung des Films.

…und MONUMENTS MEN.

Wer danach sucht, findet beim Manifest auch sowas ähnliches wie ein Review zu Dominik Grafs DIE GELIEBTEN SCHWESTERN. Verlinke ich hier aber nicht, da ich mir nicht sicher bin, ob ich wirklich will, dass diesen Text jemand liest.