@smoitzheim

…freaky Blabla aus der Geek-Hölle.

Mir war langweilig, also hab ich einen Song geschrieben für den Typen, der ein Hornissennest gefickt hat (was man halt so macht). Dann hab ich gelesen, dass das ganze ein Hoax war, was dieses Lied angemessenerweise noch idiotischer macht, als es ohnehin schon ist. Entschuldigung.

Podcast: Wasting Away #2 – BIRDEMIC: Scheiße-Inception

Im zweiten WASTING AWAY-Podcast diskutieren Batz und ich über Zach Braffs Kickstarter, den PACIFIC RIM-Trailer und IRON MAN 3, bevor wir uns trotz noch immer zu geringem Promillewert am Trash-Phänomen BIRDEMIC: SHOCK AND TERROR abarbeiten.

(RSS und iTunes dauern immer was, aber das läuft)

Hier geht’s zum Podcast auf iTunes.

Hier geht’s zum RSS-Feed.

Podcast: Wasting Away #1 – Nipple to Nipple mit ROAD HOUSE

In Anlehnung an Max Goldts Radiotrinkerin präsentieren Batz und ich euch unseren neuen, semi-regelmäßigen Podcast: Wasting Away – Der Podcast über Filme, die man nur mit Alkohol ertragen kann. Wir beginnen mit einer noch recht – in jedem Sinne des Wortes – nüchternen Diskussion über aktuelle Film- und TV-Themen und trinken uns dann langsam auf das richtige Level, um ausgewählte Perlen des schlechten Films zu besprechen.

In der ersten Folge besprechen wir HANNIBAL, BATES MOTEL, HEMLOCK GROVE und ZOMBIELAND und wagen uns dann stark angetrunken an einen echten Klassiker des schlechten Geschmacks: ROAD HOUSE.

Hier geht’s zum Podcast auf iTunes.

Hier geht’s zum RSS-Feed.

Sleepwalk With Me

Seit gestern ist Mike Birbiglias Film Sleepwalk with Me Louis CK-Style (5€ Digital Download, DRM-frei) auf der Homepage zum Film erhältlich. Ich hab mal aufgeschrieben, warum sich die Investition lohnt.

Ich habe ein ziemliches Faible für Filme über Standup Comedy. Ich habe generell ein Faible für Stand-Up Comedy, aber Filme, die neben den eigentlichen Standup-Performances auch die Gespräche zwischen Comedians, die Vorbereitung auf und die Langeweile um die Auftritte herum, generell das Leben on the road zeigen – egal ob fiktional oder dokumentarisch – treffen bei mir einen ganz besonderen Nerv, von Funny People über I Am Comic und Comedians of Comedy zu Doug Bensons Quatsch-Doku The Greatest Movie Ever Rolled. Insofern war wohl klar, dass mir Sleepwalk With Me von Comedian Mike Birbiglia irgendwie gefallen würde: Birbiglia ist ein großartiger Komiker und Geschichtenerzähler und hat das Grundgerüst von Sleepwalk With Me über Jahre in Comedyclubs und This American Life-Beiträgen perfektioniert und äußerst unterhaltsam in Buchform festgehalten.

Dennoch ist es eine angenehme Überraschung, wie kreativ Birbiglia, der bei Sleepwalk With Me nicht nur die Hauptrolle spielte, sondern auch Regie führte und zusammen mit This American Life-Host Ira Glass das Drehbuch schrieb, seine Geschichte in das Medium Film übersetzt hat. Ja, den Rahmen bildet eine Autofahrt Birbiglias zu einem seiner Auftritte, während der er seine (real erlebte) Geschichte in die Kamera erzählt und dabei Teile seines Buchs und Liveprogramms recycelt. Das ist auch nötig, da die eigentliche Geschichte, die in Rückblenden gezeigt wird, eher in Episoden verläuft, die lediglich durch Birbiglias Erzählung zusammengehalten werden. Diese Episoden sind jedoch so kompetent inszeniert, filmisch so interessant umgesetzt, dass man dem Film weder sein geringes Budget noch seine Herkunft als illustriertes Standup-Programm ansieht – und es nicht negativ auffällt, dass es sich bei Sleepwalk With Me um Birbiglias Debütfilm handelt: Gerade in den surrealen (und extrem witzigen) Traumsequenzen hat Sleepwalk With Me eine ganze Menge einprägsame Bilder zu bieten – eine Szene mit einem, ähem, Kissen aus Pizza dürfte euch in eure Albträume verfolgen. Doch auch die bodenständigeren, alltäglichen und teils im Grunde langweiligen Momente des Films weiß Birbiglia durch für einen Independent-Film recht fancy Kameraarbeit, ein paar skurrile Einfälle und interessante Montage-Entscheidungen ansprechend zu inszenieren (ein auf dem Papier wahrscheinlich nur so mittelinteressanter, weil 1000 mal dagewesener Streit zwischen Birbiglia und seiner Freundin (Lauren Ambrose) gewinnt durch die clevere Komprimierung im Schnitt und wird zu einer der pointiertesten Szenen des Films).

Nichtsdestotrotz sind es letztlich Birbiglias Persona und die Geschichte, die er erzählt, die über Erfolg und Misserfolg des Films entscheiden, und zum Glück liegen gerade hier seine Stärken.

Die besten Geschichten sind spezifisch und universell zugleich. Spezifisch, um nicht in Klischees und Allgemeinplätze abzudriften, universell, um den Zuschauer emotional zu involvieren, ihm im besten Fall ihrem Ende etwas mit auf den Weg zu geben. Sleepwalk With Me ist so eine Geschichte: Birbiglia erzählt von seiner Schlafkrankheit, die ihn nicht nur schlafwandeln, sondern tatsächlich seine Träume im Schlaf “nachspielen” lässt. Mal sind diese Träume lediglich absurd-komisch, mal ziemlich bizarr – vor allem aber werden sie im Laufe des Films gefährlicher, wenn Birbiglia Gefahr läuft, sich beim Ausleben seiner Träume ganz real zu verletzen.

Er erzählt aber auch von seiner Angst, seinen Traum von einer Karriere als professioneller Comedian nie zu erreichen und in eigentlich als vorübergehend geplanten Jobs als Barkeeper etc. festzustecken, von seiner Unsicherheit in Hinblick auf Beziehungen und Sex und, später, vom langsamen Verfall der Beziehung mit seiner langjährigen Freundin (und Verlobten) Abby.

Bei all dem findet Birbiglia genau den richtigen Ton: Lakonisch und humorvoll, aber doch von einer gewissen, leisen Traurigkeit durchzogen, findet er gerade im langsamen Ende seiner Beziehung – obwohl es angesichts der fehlenden Wendungen und der Tatsache, dass es im Grunde keinen bad guy gibt (auch, wenn Birbiglia durchaus Fehler macht und diese schonungslos offenlegt und eingesteht) nicht gerade für großes Kino prädestiniert scheint – so manchen prägnanten, in seiner rauen Authentizität recht berührenden Moment.

Sleepwalk With Me fühlt sich an, wie eine weniger intellektuell-analytische, aber wärmere, bodenständigere Version von Annie Hall, die als humorvolles Auseinandernehmen einer gescheiterten Beziehung genauso funktioniert wie als Comedy-”Autobiopic” über die Hoffnungen, Ängste und Hürden eines aufstrebenden Künstlers. In jedem Fall empfiehlt der Film Mike Birbiglia als einen Filmemacher und Geschichtenerzähler, den man im Auge behalten sollte, ist ihm hier doch ein erstaunlich selbstbewusstes, rundes Debüt gelungen.

Notizen vom Dorf

Ich war mal wieder auf dem Dorf. Mir war langweilig. Das ist das Ergebnis: Das trostloseste Reisetagebuch aller Zeiten. No refunds.

-Gegenüber der Bushaltestelle, an der ich früher auf den Schulbus gewartet habe, steht heute ein Haus, das so groß ist, dass das alte Haus, was an dieser Stelle stand, jetzt in diesem neuen Haus steht. Irgendjemand im Dorf hat dieses Haus für seine polnische Haushälterin bauen lassen. Ich werde den Gedanken nicht los, dass eine Werbetafel, auf der “Ich ficke meine Putzfrau” steht, billiger gewesen wäre.

-Aus irgendeinem Grund ist der Film The Girl Next Door in meinem Heimatdorf sehr beliebt. Ich erinnere mich, dass einer meiner engsten Freunde als ich ca. 16 war von diesem Film besessen war (davon, und von Alexander Paynes Sideways) und ich erinnere mich an unzählige Abende, an denen ansonsten eigentlich ganz vernünftige Menschen anstatt eines guten (oder, naja, anderen) Films The Girl Next Door sehen wollten. So auch am Freitag, als ich ein paar alte Schulfreunde wiedersah, die ich dann allerdings überreden konnte, stattdessen Stand by Me zu gucken. Mein Freund Woody erinnerte sich durch den Film dann an eine schlechte Coverversion von Ben E. Kings Song Stand by Me, die wir nach kurzer Suche auf Youtube fanden und uns ein Bisschen in die Interpreten, die Gruppe 4 the Cause verliebten. 4 the Cause sind/waren eine christliche Popgruppe mit Pseudo-HipHop-Einschag, die früher Warriors for tha Crusade (sic!) hießen und in erster Linie klassische Songs als HipHop-Versionen covern, was im Grunde bedeutet, dass sie jede gesungene Zeile in dem, was sie für Rap halten, wiederholen. Wer nach Lektüre des Wikipedia-Eintrags der Band sowie Anhören einiger Songs auf Youtube nicht verstanden hat, warum wir uns so über ihre Existenz gefreut haben, hat schon lange keine Freude mehr im Leben. Oder ist nach den 90ern geboren.

-Mein Bruder, den zu besuchen der eigentliche Grund meines Trips war, wohnt in Maastricht in einer WG, und zwar genau so, wie ich vor ein paar Jahren in Aachen gelebt hab, also so, wie ca. 90% aller Studenten-WGs mit ausschließlich männlichen Mitbewohnern leben: viele leere Flaschen und dreckiges Geschirr, ein für meine Eltern glücklicherweise nicht genau zu benennender Dunst in der Luft, überall (wirklich überall!) Asche von Zigaretten (und so) und Zimmer, die in ihrer Kargheit aussehen wie Gefängsniszellen, weil eh immer alle im Wohnzimmer abhängen und billiges Bier trinken. Und natürlich hängt an der Wand der obligatorische Brief einer Nachbarin, weil man auf irgendeiner Party zu laut war. Den implizierten Wettbewerb, wer den wütendsten, wehleidigsten und theatralischsten Brief bekommen hat, dürfte die WG meines Bruders allerdings für sich entschieden haben. Hier ein paar Auszüge:

Your extraodinary behaviour was arrogant, brutal, extremely loud and extremely brutal beastly

Und:

I want you to leave; to leave the house and to leave our street. I really really want you all to leave!

Tatsächlich ist bemerkenswert, wie schön (und mit welcher Sorgfalt, siehe “brutal beastly”) dieser flammende Appell geschrieben ist. Falls irgendwelche Schauspielschüler noch einen Monolog fürs nächste Vorsprechen oder Slam Artists einen Text zum performen brauchen, bitte Nachricht an mich, ich stelle dann den ganzen Brief zur Verfügung.

“Extremely loud and extremely beastly” dürfte außerdem ein brauchbarer Titel für den Porno zu “Extremely loud and incredibly close” sein.

Therapeutin (nachdem sie einen meiner Träume mit “Na, die Bedeutung liegt ja auf der Hand.” analysierte): Und, was machen Sie am Wochenende?
Ich: Besuche meinen Bruder in Maastricht.
Sie: Ah, fliegen Sie?
Ich: Nee, habe panische Flugangst.
Sie lacht laut, fängt sich und antwortet dann: Natürlich haben Sie Flugangst. Ich hatte vergessen, mit wem ich rede.

Ich bin ein wandelndes Klischee, aber immerhin bereite ich meiner Therapeutin Freude.

Das Internet verstehen

Das hier ist meine liebste Newsmeldung seit langem: Es gibt einen Mann, der mit einer Figur aus My Little Pony (“Twilight Sparkle”) verlobt ist. Es gibt einen zweiten Mann, der auf seinem Deviant Art Profil pornographische Bilder von derselben My Little Pony-Figur postet. Der erste Mann hat dem zweiten Mann einen Brief geschrieben, doch bitte die Produktion weiterer Bilder zu unterlassen.

Was, fragt ihr, ist für mich das schönste an der Meldung? Der großartige Dead Pan-Humor, mit dem sie formuliert ist (“one grown man typed to another”)? Die Begründung für die Bitte, der Künstler solle keine weiteren Bilder von Twilight Sparkle posten (kein “jealousy thing”, nein, Twilight Sparkle ist treu, aber sie ist eben “not into that kinda stuff” und die Bilder sind “degrading”)? Dass Twilight Sparkles “Verlobter” sie “the mare I adore” nennt?

Nein, das schönste an dieser rundum perfekten Meldung ist, dass der erste Kommentar darunter sich beschwert, dass sie bereits eine Woche alt ist, denn nach einer Woche ist die Tatsache, dass ein erwachsener Mann ein Cartoon-Pony heiratet und ein anderer erwachsener Mann Cartoon-Pony-Pornos (Cartoon-Pornies?) zeichnet und der erste dem zweiten einen Brief geschrieben hat, doch bitte mehr Respekt für seine Cartoon-Pony-Frau aufzubringen, nicht mehr der Rede wert, denn wir haben uns alle längst an diese Tatsache gewöhnt (immerhin haben uns gleich zwei Google-Alerts, der für “My Little Pony” und der für “porn”, darauf aufmerksam gemacht).

Selten wurde das Internet schöner zusammengefasst. Oder, wie Sean O’Neal in der A.V.Club-Meldung schreibt:

And thus, having used the Internet to its absolute fullest potential, there is inarguably nowhere left for it to go. We must shut it down.

Wir leben in einer wahrhaft goldenen Zeit.

(Und damit hallo. Mir ist langweilig und bevor ich mir eines dieser “Sozialleben” zulege, versuche ich es nochmal mit diesem Blog-Ding. Mal sehen, wie lang ich diesmal durchhalte.)

Podcast: Jack the Giant Slayer

Weil Batz und ich uns gerne reden hören, haben wir unser Review zum unterschätzten Jack the Giant Slayer bzw. Jack and the Giants eben nach dem Film bei McDonald’s in ein Mikrofon gesprochen. Manniacs Ego ist nicht ganz so groß, deswegen redet er nicht soviel. Beim nächsten Mal gibt’s vielleicht auch etwas mehr Konzept.

Achtung, enthält Spoiler.

Warm Bodies

Okay, es ist vielleicht nicht völlig überraschend, dass ich Warm Bodies mag: Eine Teenager-RomCom, mit Zombies, einem Plot, der sich gleichermaßen bei Romeo and Juliet und The Incredible Hulk bedient, und Nicolas Hoult in der Hauptrolle scheint ziemlich genau auf meinen Geschmack zugeschnitten. Ja, Warm Bodies hat bei mir erwartungsgemäß einen Nerv getroffen, doch er hat mehr geschafft als das und das hat mich dann doch überrascht: Der Film über Zombie R. (Nicolas Hoult), der sich in die Lebende Julie (Teresa Palmer) verliebt, hat mir geholfen, zu verstehen, warum ich, trotz meiner grundsätzlichen Liebe zu diesem Genre, in den letzten Jahren genervt aufstöhne, wenn ich das Wort “Zombie” auch nur höre.

Das Zombiegenre, obwohl zur Zeit beliebt wie nie zuvor, steckt in einem qualitativen Tief, und Schuld daran hat George Romero. Nichts gegen dessen Filme: Selbst Survival of the Dead konnte ich noch einiges abgewinnen und dass seine ursprüngliche Dead-Trilogie, insbesondere Dawn of the Dead, nicht nur bis heute zum Besten gehört, was das Genre zu bieten hat, sondern das Genre überhaupt erst definiert hat, wissen wir alle. Aber genau da liegt das Problem: Die Ehrfurcht vor Romeros Werk scheint noch immer so groß, dass sich im Zombiegenre kaum jemand so recht traut, ein paar eigene Impulse zu geben (und nein, rennende Zombies sind nicht wirklich ein neuer Impuls). Natürlich gibt es Ausreißer (Charlie Brookers Dead Set fällt mir da spontan ein), aber im Großen und Ganzen tritt das Zombiegenre wie kein anderes auf der Stelle – es ist doch auffällig, dass Shaun of the Dead, der mittlerweile auch wieder fast 10 Jahre alt ist, auch als Kommentar für 80% aller Zombiefilme taugt, die nach ihm kamen. Gerade Walking Dead, aus unerfindlichen Gründen gerade der heiße Scheiß im Zombiegenre, kommt wirklich völlig ohne eigene Ideen aus und stellt lediglich Motive aus Romeros Filmen nach, nur eben ohne ein wichtiges Detail, das Warm Bodies dem Genre nun zurück gibt: das Allegorische – die Zombies in Warm Bodies stehen endlich wieder für etwas.1

Das macht der Film, das muss man einräumen, nicht nur eher beiläufig, sondern auch ziemlich plump: In den ersten drei Minuten werden auf Smartphones starrende Lebende visuell mit umherschlurfenden Untoten verglichen, menschenfressende Zombies werden in Sekunden zu – Achtung – herzensguten Schluffis, wenn sie nur sehen, wie sehr sich Protagonist R. und seine Julie lieb haben und die “Bonies”, skelettartige Super-Zombies, die als gemeinsamer Feind Menschen und Zombies miteinander vereinen, sind die schlimmste Plot-Device, die ich seit langem gesehen habe. In erster Linie ist Warm Bodies eben dann doch kein Horrorfilm, sondern eine Teenie-Romanze, zum Glück aber eine sehr gute: Dank Jonathan Levines gutem, selbstironischen Drehbuch und dem starken Spiel von Teresa Palmer und ganz besonders Nicolas Hoult werden aus Figuren, die leicht Karikaturen und/oder Teeniefilm-Klischees sein könnten, lebendige (hihi), glaubhafte Charaktere, deren Anziehung zueinander durchaus nachvollziehbar ist. Es ist erfreulich, dass Julie keine depressiv dreinschauende Damsel in Distress ist, sondern Eigensinn und Initiative beweist, aber fast noch erfreulicher und vor allem beeindruckender, wie bereitwillig man mit R., einem Protagonisten, der sich über weite Teile des Films nur durch stöhnen verständigen kann, mitfühlt – wenn R. in seinem inneren Monolog charmant und gewitzt seine Situation und Gefühle auf den Punkt bringt, dann aber, wenn er versucht, mit Julie zu kommunizieren, im wörtlichen Sinne kein Wort herausbekommt, dann ist das äußerst komisch und herzzerreißend zugleich.2

Zu Gunsten der emotionalen Glaubwürdigkeit dieser Love-Story lässt Warm Bodies die Logik hinter seinen Untoten nicht selten auf der Strecke und wahrscheinlich wird das, in Kombination mit dem PG-13 Rating, dafür sorgen, dass der Film von den wenigstens Genre-Nerds ernstgenommen wird. Das ist bedauerlich, denn wie der Film die ansonsten den Helden zugeschriebene Rhetorik (“Ihr dürft kein Mitleid mit den Zombies haben, auch, wenn sie aussehen wie eure Freunde und Familie.”) den Bösen in den Mund legt und so aus der Zombie-Apokalypse ein Plädoyer für mehr Empathie und Menschlichkeit macht, ist zwar recht platt und ziemlich kitschig, in seinem naiven Optimismus aber gleichzeitig, nach langer Zeit, mal wieder ein neuer Impuls im freudlosen Zombiegenre und im Geiste näher an Romero als die meisten seiner Imitatoren.

  1. Wer genauer nachlesen will, warum The Walking Dead Mist ist und Romero missversteht und warum Warm Bodies “the zombie movie we need right now” ist, dem sei dieser Artikel von Devin Faraci bei Badass Digest empfohlen
  2. Fun Fact: Ich habe seit meiner Kindheit einen wiederkehrenden Traum, in dem mein Mund austrocknet und die Worte, die ich mir im Kopf zurechtlege, nicht mehr formen will. Wie gesagt, Warm Bodies hat einen Nerv getroffen.

Frances Ha

“I like things that look like mistakes.”. Frances (Greta Gerwig) beschreibt so die von ihr entwickelte Choreographie, die zum Ende von Noah Baumbachs Frances Ha von einer Gruppe junger Tänzerinnen aufgeführt wird. Das erinnert ein wenig an das Ende von Silver Linings Playbook, scheint es doch ähnlich wie dessen Finale gleichzeitig unvermeidbar und zu schön, um wahr zu sein: Alle Charaktere des Films treten noch einmal auf und bejubeln die Performance, die, so Frances’ ehemalige Chefin, die Leiterin der Tanzkompanie, bei der Frances den Großteil des Films beschäftigt ist, “so you” ist, also genau wie Frances: Unkoordiniert, durcheinander, unbeholfen und doch irgendwie elegant und schön. Der ganze Film ist so: Es gibt keine echte Struktur, schon gar keinen Plot; Frances, 27, stolpert einfach, nachdem ihr Freund sie verlässt (oder umgekehrt) und – das wesentlich einschneidendere Erlebnis – ihre langjährige beste Freundin Sophie (Mickey Sumner) aus der gemeinsamen WG zieht, von Wohnung zu Wohnung (ihre diversen Adressen werden als Zwischentitel eingeblendet, was dem Film aber nur den Anschein von Struktur gibt) und durch eine Reihe von Vignetten mit Nebenfiguren, die recht unvermittelt aus dem Film verschwinden und wieder auftauchen. Es geht um das Gefühl, auf der Strecke zu bleiben, zu beobachten, wie die Freunde alle einer nach dem anderen erfolgreich oder sesshaft oder beides werden, während man selbst sich noch immer ziel- und planlos durchs Leben treiben lässt, aber auch darum, wie Menschen einander zurückhalten und von der Weiterentwicklung abhalten können.

Anders als bspw. Lena Dunham, Poster-Child für Mittzwanziger mit Identitätskrisen, in Girls nehmen Baumbach und Gerwig (die zusammen das Drehbuch schrieben) in Frances Ha jedoch eine erhöhte Perspektive ein, erzählen ihre Geschichte nicht im Ton der therapeutischen Offenlegung eigener Neurosen, sondern in dem des nostalgischen Rückblicks. Ein Film, in dem Greta Gerwig – eine Schauspielerin, bei der schon immer so ziemlich jede Bewegung ein Bisschen unbeholfen und awkward wirkte – als professionelle Tänzerin gecastet wurde, sucht natürlich von Anfang an das Schöne im Scheitern und betont folgerichtig weniger die vielen Rückschläge, die Frances im Laufe des Films einsteckt, sondern wie sie sich dennoch immer irgendwie behauptet, um am Ende, im wörtlichen Sinne, doch irgendwo anzukommen. Baumbach und Gerwig nehmen die Probleme ihrer Hauptfigur durchaus ernst, interpretieren sie allerdings eher als natürliche Begleiterscheinungen einer eigentlich angenehmen Zeit, in der man noch nicht auf ein Lebensmodell festgelegt ist (“I’m not a real person yet.”, sagt Frances an einer Stelle) und der sie auch ein wenig nachzutrauern scheinen.

Es mag zunächst überraschen, dass ausgerechnet Noah Baumbach einen Film gedreht hat, der, wenn auch von einer angenehmen Melancholie durchzogen, mit seinem unbeschwerten Humor, dem mitreißenden Soundtrack und den harmonischen schwarz/weiß-Bildern beinahe Feelgood-Kino ist. Doch irgendwie schlummerte diese Sentimentalität und Warmherzigkeit schon immer unter der Oberfläche seiner auf den ersten Blick oft recht kühlen Filme. In seine Neurotiker-Figuren – Jesse Eisenberg im Meisterwerk The Squid and the Whale, Ben Stiller im, zunächst auch von mir, unterschätzten Greenberg etc. – war Baumbach irgendwie stets fast genauso verliebt wie in die von Anfang an grundsympathische Frances, er ließ das Publikum mit diesen potentiell unerträglichen Figuren letztlich doch mitfühlen und schenkte ihnen ein glückliches (oder zumindest hoffnungsvolles) Ende.

In Frances Ha muss Baumbach den Zuschauer nicht erst für seine Hauptfigur gewinnen und man muss nicht groß unter die Oberfläche schauen, um die darunter liegenden Emotionen aufzudecken. Baumbach hat so sicher seinen am wenigsten komplexen Film bisher gemacht – aber auch den, der beim Zuschauen am meisten Spaß macht und, wenn er auch nicht so lange nachhallt wie z.B. Greenberg, den direktesten Weg ins Herz nimmt.