Okay, es ist vielleicht nicht völlig überraschend, dass ich Warm Bodies mag: Eine Teenager-RomCom, mit Zombies, einem Plot, der sich gleichermaßen bei Romeo and Juliet und The Incredible Hulk bedient, und Nicolas Hoult in der Hauptrolle scheint ziemlich genau auf meinen Geschmack zugeschnitten. Ja, Warm Bodies hat bei mir erwartungsgemäß einen Nerv getroffen, doch er hat mehr geschafft als das und das hat mich dann doch überrascht: Der Film über Zombie R. (Nicolas Hoult), der sich in die Lebende Julie (Teresa Palmer) verliebt, hat mir geholfen, zu verstehen, warum ich, trotz meiner grundsätzlichen Liebe zu diesem Genre, in den letzten Jahren genervt aufstöhne, wenn ich das Wort “Zombie” auch nur höre.
Das Zombiegenre, obwohl zur Zeit beliebt wie nie zuvor, steckt in einem qualitativen Tief, und Schuld daran hat George Romero. Nichts gegen dessen Filme: Selbst Survival of the Dead konnte ich noch einiges abgewinnen und dass seine ursprüngliche Dead-Trilogie, insbesondere Dawn of the Dead, nicht nur bis heute zum Besten gehört, was das Genre zu bieten hat, sondern das Genre überhaupt erst definiert hat, wissen wir alle. Aber genau da liegt das Problem: Die Ehrfurcht vor Romeros Werk scheint noch immer so groß, dass sich im Zombiegenre kaum jemand so recht traut, ein paar eigene Impulse zu geben (und nein, rennende Zombies sind nicht wirklich ein neuer Impuls). Natürlich gibt es Ausreißer (Charlie Brookers Dead Set fällt mir da spontan ein), aber im Großen und Ganzen tritt das Zombiegenre wie kein anderes auf der Stelle – es ist doch auffällig, dass Shaun of the Dead, der mittlerweile auch wieder fast 10 Jahre alt ist, auch als Kommentar für 80% aller Zombiefilme taugt, die nach ihm kamen. Gerade Walking Dead, aus unerfindlichen Gründen gerade der heiße Scheiß im Zombiegenre, kommt wirklich völlig ohne eigene Ideen aus und stellt lediglich Motive aus Romeros Filmen nach, nur eben ohne ein wichtiges Detail, das Warm Bodies dem Genre nun zurück gibt: das Allegorische – die Zombies in Warm Bodies stehen endlich wieder für etwas.
Das macht der Film, das muss man einräumen, nicht nur eher beiläufig, sondern auch ziemlich plump: In den ersten drei Minuten werden auf Smartphones starrende Lebende visuell mit umherschlurfenden Untoten verglichen, menschenfressende Zombies werden in Sekunden zu – Achtung – herzensguten Schluffis, wenn sie nur sehen, wie sehr sich Protagonist R. und seine Julie lieb haben und die “Bonies”, skelettartige Super-Zombies, die als gemeinsamer Feind Menschen und Zombies miteinander vereinen, sind die schlimmste Plot-Device, die ich seit langem gesehen habe. In erster Linie ist Warm Bodies eben dann doch kein Horrorfilm, sondern eine Teenie-Romanze, zum Glück aber eine sehr gute: Dank Jonathan Levines gutem, selbstironischen Drehbuch und dem starken Spiel von Teresa Palmer und ganz besonders Nicolas Hoult werden aus Figuren, die leicht Karikaturen und/oder Teeniefilm-Klischees sein könnten, lebendige (hihi), glaubhafte Charaktere, deren Anziehung zueinander durchaus nachvollziehbar ist. Es ist erfreulich, dass Julie keine depressiv dreinschauende Damsel in Distress ist, sondern Eigensinn und Initiative beweist, aber fast noch erfreulicher und vor allem beeindruckender, wie bereitwillig man mit R., einem Protagonisten, der sich über weite Teile des Films nur durch stöhnen verständigen kann, mitfühlt – wenn R. in seinem inneren Monolog charmant und gewitzt seine Situation und Gefühle auf den Punkt bringt, dann aber, wenn er versucht, mit Julie zu kommunizieren, im wörtlichen Sinne kein Wort herausbekommt, dann ist das äußerst komisch und herzzerreißend zugleich.
Zu Gunsten der emotionalen Glaubwürdigkeit dieser Love-Story lässt Warm Bodies die Logik hinter seinen Untoten nicht selten auf der Strecke und wahrscheinlich wird das, in Kombination mit dem PG-13 Rating, dafür sorgen, dass der Film von den wenigstens Genre-Nerds ernstgenommen wird. Das ist bedauerlich, denn wie der Film die ansonsten den Helden zugeschriebene Rhetorik (“Ihr dürft kein Mitleid mit den Zombies haben, auch, wenn sie aussehen wie eure Freunde und Familie.”) den Bösen in den Mund legt und so aus der Zombie-Apokalypse ein Plädoyer für mehr Empathie und Menschlichkeit macht, ist zwar recht platt und ziemlich kitschig, in seinem naiven Optimismus aber gleichzeitig, nach langer Zeit, mal wieder ein neuer Impuls im freudlosen Zombiegenre und im Geiste näher an Romero als die meisten seiner Imitatoren.
Okay, es ist vielleicht nicht völlig überraschend, dass ich Warm Bodies mag: Eine Teenager-RomCom, mit Zombies, einem Plot, der sich gleichermaßen bei Romeo and Juliet und The Incredible Hulk bedient,...