Wasting Away #15 – Very Few Funny Things Happened on the Way to Sodom

In Erinnerung an den kürzlich verstorbenen Harold Ramis erfüllen wir ihm seinen letzten Wunsch, den wir uns überhaupt nicht in keinster Weise ausgedacht haben, und erklären, warum sein letzter Film YEAR ONE ein ziemlicher Griff ins Klo ist – und nebenbei was seine anderen Filme so großartig macht.

Vorher allerdings gibt es eine für Wasting Away-Verhältnisse ungekannte Menge an Empfehlungen, nämlich zwei (2): THE LEGO MOVIE & MUPPETS MOST WANTED.

00:00:00 – THE LEGO MOVIE
00:26:30 – MUPPETS MOST WANTED
00:50:00 – YEAR ONE

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Leaked TV script: Charlie Kaufman’s THE OFFICE

Charlie Kaufman's THE OFFICE

The reboot-craze, which has been a trend in cinema for the past couple of years, has reached TV. The newest retooling of a beloved classic will be a reboot of THE OFFICE, developed by none other than Charlie Kaufman. The pilot for this project, which was in no way written by me in about 10 minutes at 5am this morning, has leaked. Here is a sneak peek (PDF):

Charlie Kaufman's THE OFFICE p.2

Charlie Kaufman's THE OFFICE p.3

R.I.P. Harold Ramis

Wenn man über kürzlich verstorbene Prominente/Künstler schreibt, besteht oft die “Gefahr”, wenn man es denn so nennen will, den Einfluss ihres Werks – auf die (Pop-)Kultur, auf sich selbst – übertrieben darzustellen. Bei einem Text über Harold Ramis gibt es diese Gefahr nicht. Wer irgendwann zwischen den 70er und 00er Jahren aufgewachsen ist, Filme mag und nicht prinzipiell dagegen ist, dass diese Humor enthalten, auf den hatte Ramis irgendeinen, und sei es auch kleinen, Einfluss. Ich persönlich wäre ohne den Regisseur, Schauspieler und Autor Harold Ramis, das ist ein Klischee, aber wenn es doch stimmt, nicht der, der ich heute bin.

Wie der bereits 2009 verstorbene John Hughes war Ramis, ohne, dass mir das klar war, ein Held für mich, bevor ich mir Namen von Schauspielern merken konnte, bevor ich überhaupt wusste, was ein Regisseur so macht oder dass die lustigen Sprüche in Filmen geschrieben werden und den Schauspielern1 nicht spontan einfallen, sobald die Kamera läuft. Irgendwann stellte ich fest, dass ein Großteil der Filme, die ich als Kind geliebt habe – oder zumindest die, die es für mich auch später, als “anspruchsvoller” Filmfan, noch wert waren, gesehen zu werden – von derselben Handvoll Menschen gemacht wurden, Menschen wie Ivan Reitman, John Hughes oder eben Harold Ramis (einzeln und in unterschiedlichen Regisseur/Autor/Darsteller-Kombinationen). Eins der vielleicht schönsten Gefühle, die man als Filmfan haben kann, ist einen Film, den man zum ersten Mal mit 11 auf Kabel 1 gesehen hat, als erwachsener Filmfan wiederzusehen und festzustellen, dass der Film wirklich gut und nicht nur durch die Augen eines leicht zu begeisternden Kindes unterhaltsam ist. Dieses Gefühl hatte und habe ich beim Schauen von beinahe jedem Film, an dem Ramis in den 70er-90er Jahren in irgendeiner Form beteiligt war.

Was Ramis’ Filme für mich so attraktiv machte – abgesehen von der Tatsache, dass Bill Murray in den meisten davon mitspielte2 – ist wahrscheinlich seine bedingungslose Loyalität und Liebe zu Underdogs, Verlierern, Außenseitern (auch das teilte Ramis mit John Hughes): Die Bruderschaft in ANIMAL HOUSE, die als Antithese zur elitär-inzestuösen Mitgliederauswahl anderer Frats eine Heimat für die Weirdos und Ausgestoßenen des Campus bot, Bill Murrays väterliche Fürsorge für das “short depressed kid” in MEATBALLS und die Rivalität mit dem schnöseligen Elite-Camp, die humoristischen Attacken auf die versnobte Country Club-Elite in CADDYSHACK – Ramis’ Vorliebe für slobs vs. snobs-Comedy ist in seinem Werk von Anfang an offensichtlich und ist Wasser auf die Mühlen eines jeden einsamen Nerds.

Die genannten Filme würden ausreichen, Ramis als eine Comedy-Legende zu etablieren. Aber da sind ja noch die beiden größten Filme in Ramis’ Filmographie: GHOSTBUSTERS und GROUNDHOG DAY. Erst Ramis’ Beteiligung als Co-Autor und Darsteller machte GHOSTBUSTERS, in Dan Aykroyds ursprünglicher Vision ein Vehikel für ihn und seinen Freund John Belushi als durch die Zeiten und Dimensionen reisende Super-Geisterjäger, zu dem Film, der er ist, letztlich einer weiteren Komödie über eine Gruppe von misfits, die am Ende triumphiert. Auch und gerade sein Schauspiel sollte man hier nicht übergehen – klar, Bill Murrays Peter Venkman ist der Ghostbuster, der wir alle gerne wären, doch in einem Reprise der Han Solo/Luke Skywalker-Konstellation war der Charakter, mit dem ich mich am meisten identifizierte, durch dessen Augen ich den Film erlebte, immer Ramis’ Egon Spengler, der Ghostbuster aus der zweiten Reihe, schüchtern, nerdy, leicht zu unterschätzen, aber eben auch the brains of the operation.

Ebenfalls leicht zu unterschätzen ist Ramis’ GROUNDHOG DAY. In einem der, meiner Meinung nach, besten Texte seiner Karriere, seinem Great Movies-Essay zum Film, artikuliert Roger Ebert besser als ich es je könnte die Größe des Films und das seltsame Paradox, dass zwar jeder GROUNDHOG DAY mag, aber kaum jemand ihn als das Meisterwerk anerkennt, das er ist:

It unfolds so inevitably, is so entertaining, so apparently effortless, that you have to stand back and slap yourself before you see how good it really is.[...]

What amazes me about the movie is that Murray and Ramis get away with it. They never lose their nerve. Phil undergoes his transformation but never loses his edge. He becomes a better Phil, not a different Phil. The movie doesn’t get all soppy at the end. There is the dark period when he tries to kill himself, the reckless period when he crashes his car because he knows it doesn’t matter, the times of despair.

Die “Moral” von GROUNDHOG DAY, wenn man es denn so nennen will, die Ebert identifiziert, ist die, die Ramis im Grunde seine ganze Karriere lang, in jedem seiner Filme, mit seinen Versagern, die über sich hinaus wachsen und Arschlöchern, die ihre Menschlichkeit entdecken, zu vermitteln versuchte:

Tomorrow will come, and whether or not it is always Feb. 2, all we can do about it is be the best person we know how to be.

Darum geht es natürlich in ungefähr jedem Film, der jemals gemacht wurde. Aber Ramis, genau, got away with it. Weil seine Filme im Kern so aufrichtig, so heartfelt waren, wie sonst nur, nochmal, die von John Hughes. Und weil sie um diesen Kern herum so anarchisch, albern und unglaublich komisch waren, dass einem zunächst gar nicht auffiel, dass Ramis auch tatsächlich etwas zu sagen hatte, dass er heimlich, wie ein geschätzter ehemaliger Kollege von mir es einmal  Hughes attestiert hat, zur “Erziehung unserer Herzen” beitrug.

 

 


  1. die nicht Bill Murray heißen
  2. Ramis half als Autor in gewisser Weise, Murrays On-Screen-Persona zu kreieren, die nicht nur das Zentrum einiger der lustigsten Komödien aller Zeiten, sondern auch die Vorlage für, u.a., Jeff Winger in COMMUNITY ist.

Wasting Away #14 – The Penis is Evil (ZARDOZ, ROBOCOP, TOMORROW NIGHT)

In der 14. Folge unseres Podcasts über Filme, die nur mit Alkohol zu ertragen sind, widmen wir uns endlich John Boormans ZARDOZ, vielleicht dem 70ersten 70er-Film aller Zeiten.

Vorher besprechen wir allerdings das Double Feature der Langeweile ROBOCOP und 47 RONIN sowie Louis CKs neuen alten Film TOMORROW NIGHT.

Außerdem erfahren wir während der Aufnahme die traurige Nachricht vom Tod Philip Seymour Hoffmans und reden über unsere liebsten Rollen des großen Schauspielers.

00:00:00 – Intro
00:01:45 – ROBOCOP
00:13:40 – 47 RONIN
00:25:00 – TOMORROW NIGHT
00:30:00 – Louis CKs Schauspielkunst & AMERICAN HUSTLE
00:37:10 – Philip Seymour Hoffman
00:49:30 – ZARDOZ

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Instead of a review: An open letter to Guillermo Del Toro (and everyone else involved in the making of PACIFIC RIM)

Dear Mr. Del Toro, dear Mr. Beacham, dear Whoever-Greenlighted-This-Movie,

I liked PACIFIC RIM. I really did. I would have liked it more with an actual character, played by an actual actor, as the protagonist, but at least some of the characters worked and were interesting and relatable, which is more than I can say for most modern blockbusters.

But I am still angry about your movie, and here is why: In my humble opinion, if you have the opportunity to somehow make ETERNAL SUNSHINE OF THE SPOTLESS MIND with giant fighting robots (or: The Best Movie Ever Made in the History of Things), you are obligated to actually make it. That’s just common sense.

What I’m saying is this: You have this amazing concept of “Drifting” and you use it for next to nothing. Didn’t anybody think about all the cool implications this idea brings with it, or are you just that confident in getting a sequel?

I mean, I could come up with a billion great ideas to really milk this concept right now. Wanna try me? Have one of the Jaegers be piloted by a couple and one of them discover that the other one has cheated on him/her the moment they link their memories or whatever you call it. Or have something go wrong, somehow end the drift prematurely, and leave two people with, like, fragments of the other one’s memories or something. There’s more where that came from. Just leave a comment or have your people get in touch with my people.1

There actually is exactly one scene in which you really use this concept: The first time the black-hole-of-charisma-that-is-Charlie-Hunnam and Rinko Kikuchi (who is pretty great) drift together and he has to stand by while she re-experiences losing her family. This is the best scence in the movie!2

The rest of the movie, though? What, for example, is the emotional hook for the secondary Jaeger-team? Daddy issues. Fucking daddy issues! Seriously, what’s up with every character in a blockbuster having daddy issues – I actually have some myself and I am bored to death by this. And the whole Drift-thing doesn’t even once play into this so-called “conflict”!

Here, have another one for good measure: One character did something horrible, but can’t remember because he/she had an accident or was drunk or something. But his/her Drift-bro (that’s the correct term, right?) can, because Drift – should he/she tell him/her? BOOM! I can do this all day! Seriously, let’s just call HBO and go straight to series with this!

Granted: You would have to lose not only the whole daddy issues-thing for this3, but also one or two of your big fight scenes, which, on the surface, goes kind of against the whole point of PACIFIC RIM. But I would argue that less fight scenes would actually benefit the movie. Because, while the individual fights work, the progression doesn’t. At all. The last, big, climactic fight scene doesn’t in any way feel any more dangerous than the first or the second or the third one. (How many are there? I can’t even remember, let alone the order.) This is because the whole idea behind the Kaiju is that they are giant monsters! So, the last Kaiju is “level 5″ or whatever, which makes it…giant-er, I guess? If your monsters already fill the whole screen (which, just to make this clear, is pretty fucking cool), there’s really nowhere you can go from there.

So how to raise the stakes in the climactic battle scene? Exactly: Character work! Make me fucking care! And how do you make me care? You guessed it: More Drift-induced flashbacks. You can have Kaiju-attacks in those flashbacks if you want – it’s not like I don’t want to see those.

But when I see a movie that takes place in a really cool universe and has some really cool ideas that are just the right amount of goofy, I want that movie to really explore these, because we don’t get a lot of movies like that these days.4

So, yeah, apart from that? Great movie! Keep up the good work! The above is really my only wish for a sequel. That, and maybe “more Ron Perlman, less Charlie Hunnam”, but hey, I’ll take what I can get.

I am waiting for your call re: script-doctoring PACIFIC RIM 2.

Sincerely,

a fan.

  1. By which I mean my parents.
  2. And it’s only partly due to the fact that it’s one of the few times we see a Kaiju-attack during daytime, which is infinitely more impressive than the fight scenes at night. Seriously, why would you do that? Why would you let every single action scene take place in the dark?
  3. Which, and I want to really stress this point, would be no loss at all.
  4. What I’m saying is: Most modern sci-fi-movies suck big time.

Sleepwalk With Me

Seit gestern ist Mike Birbiglias Film Sleepwalk with Me Louis CK-Style (5€ Digital Download, DRM-frei) auf der Homepage zum Film erhältlich. Ich hab mal aufgeschrieben, warum sich die Investition lohnt.

Ich habe ein ziemliches Faible für Filme über Standup Comedy. Ich habe generell ein Faible für Stand-Up Comedy, aber Filme, die neben den eigentlichen Standup-Performances auch die Gespräche zwischen Comedians, die Vorbereitung auf und die Langeweile um die Auftritte herum, generell das Leben on the road zeigen – egal ob fiktional oder dokumentarisch – treffen bei mir einen ganz besonderen Nerv, von Funny People über I Am Comic und Comedians of Comedy zu Doug Bensons Quatsch-Doku The Greatest Movie Ever Rolled. Insofern war wohl klar, dass mir Sleepwalk With Me von Comedian Mike Birbiglia irgendwie gefallen würde: Birbiglia ist ein großartiger Komiker und Geschichtenerzähler und hat das Grundgerüst von Sleepwalk With Me über Jahre in Comedyclubs und This American Life-Beiträgen perfektioniert und äußerst unterhaltsam in Buchform festgehalten.

Dennoch ist es eine angenehme Überraschung, wie kreativ Birbiglia, der bei Sleepwalk With Me nicht nur die Hauptrolle spielte, sondern auch Regie führte und zusammen mit This American Life-Host Ira Glass das Drehbuch schrieb, seine Geschichte in das Medium Film übersetzt hat. Ja, den Rahmen bildet eine Autofahrt Birbiglias zu einem seiner Auftritte, während der er seine (real erlebte) Geschichte in die Kamera erzählt und dabei Teile seines Buchs und Liveprogramms recycelt. Das ist auch nötig, da die eigentliche Geschichte, die in Rückblenden gezeigt wird, eher in Episoden verläuft, die lediglich durch Birbiglias Erzählung zusammengehalten werden. Diese Episoden sind jedoch so kompetent inszeniert, filmisch so interessant umgesetzt, dass man dem Film weder sein geringes Budget noch seine Herkunft als illustriertes Standup-Programm ansieht – und es nicht negativ auffällt, dass es sich bei Sleepwalk With Me um Birbiglias Debütfilm handelt: Gerade in den surrealen (und extrem witzigen) Traumsequenzen hat Sleepwalk With Me eine ganze Menge einprägsame Bilder zu bieten – eine Szene mit einem, ähem, Kissen aus Pizza dürfte euch in eure Albträume verfolgen. Doch auch die bodenständigeren, alltäglichen und teils im Grunde langweiligen Momente des Films weiß Birbiglia durch für einen Independent-Film recht fancy Kameraarbeit, ein paar skurrile Einfälle und interessante Montage-Entscheidungen ansprechend zu inszenieren (ein auf dem Papier wahrscheinlich nur so mittelinteressanter, weil 1000 mal dagewesener Streit zwischen Birbiglia und seiner Freundin (Lauren Ambrose) gewinnt durch die clevere Komprimierung im Schnitt und wird zu einer der pointiertesten Szenen des Films).

Nichtsdestotrotz sind es letztlich Birbiglias Persona und die Geschichte, die er erzählt, die über Erfolg und Misserfolg des Films entscheiden, und zum Glück liegen gerade hier seine Stärken.

Die besten Geschichten sind spezifisch und universell zugleich. Spezifisch, um nicht in Klischees und Allgemeinplätze abzudriften, universell, um den Zuschauer emotional zu involvieren, ihm im besten Fall ihrem Ende etwas mit auf den Weg zu geben. Sleepwalk With Me ist so eine Geschichte: Birbiglia erzählt von seiner Schlafkrankheit, die ihn nicht nur schlafwandeln, sondern tatsächlich seine Träume im Schlaf “nachspielen” lässt. Mal sind diese Träume lediglich absurd-komisch, mal ziemlich bizarr – vor allem aber werden sie im Laufe des Films gefährlicher, wenn Birbiglia Gefahr läuft, sich beim Ausleben seiner Träume ganz real zu verletzen.

Er erzählt aber auch von seiner Angst, seinen Traum von einer Karriere als professioneller Comedian nie zu erreichen und in eigentlich als vorübergehend geplanten Jobs als Barkeeper etc. festzustecken, von seiner Unsicherheit in Hinblick auf Beziehungen und Sex und, später, vom langsamen Verfall der Beziehung mit seiner langjährigen Freundin (und Verlobten) Abby.

Bei all dem findet Birbiglia genau den richtigen Ton: Lakonisch und humorvoll, aber doch von einer gewissen, leisen Traurigkeit durchzogen, findet er gerade im langsamen Ende seiner Beziehung – obwohl es angesichts der fehlenden Wendungen und der Tatsache, dass es im Grunde keinen bad guy gibt (auch, wenn Birbiglia durchaus Fehler macht und diese schonungslos offenlegt und eingesteht) nicht gerade für großes Kino prädestiniert scheint – so manchen prägnanten, in seiner rauen Authentizität recht berührenden Moment.

Sleepwalk With Me fühlt sich an, wie eine weniger intellektuell-analytische, aber wärmere, bodenständigere Version von Annie Hall, die als humorvolles Auseinandernehmen einer gescheiterten Beziehung genauso funktioniert wie als Comedy-”Autobiopic” über die Hoffnungen, Ängste und Hürden eines aufstrebenden Künstlers. In jedem Fall empfiehlt der Film Mike Birbiglia als einen Filmemacher und Geschichtenerzähler, den man im Auge behalten sollte, ist ihm hier doch ein erstaunlich selbstbewusstes, rundes Debüt gelungen.

Serie: Girls

Kurzkritik zu Lena Dunhams “Hipster-Sex and the City

Wahrscheinlich würde Girls mir besser gefallen, hätte ich nie einen einzigen Artikel oder Blogtext über die Serie gelesen. Momentan habe ich noch ein Bisschen das Gefühl, dass ich irgendwas nicht sehe, obwohl ich eigentlich müsste – entweder müsste ich mich über den der Serie gelegentlich vorgeworfenen Rassismus bzw. die mangelnde diversity aufregen (Um ganz klar zu sein: Die Kritik ist zweifelsohne berechtigt, doch sie gilt auch für so ziemlich jede einzelne andere Serie – warum kriegt gerade Girls jetzt den ganzen Backlash ab?) oder Lena Dunhams angebliches Genie feiern. Alles, was ich sehe, ist jedoch eine Serie, die meist klassischen Sitcom-Dramaturgien und -Konvention folgt und sich bisher wenn überhaupt nur zaghaft an so etwas wie Charakterentwicklung wagt.

Ohne Frage hat Girls dabei seine brillanten Momente, die bisher jedoch fast ausschließlich Dunhams Figur vorbehalten sind. Ihre schriftstellerischen Ambitionen (die irgendwie gleichzeitig ernst genommen und als Motivation für Hannas oft egoistisches, rücksichtsloses Verhalten bloßgestellt werden), die Beziehung zu ihren Eltern, die Demütigungen, die sie im Job erleiden muss – all das ist scharf beobachtet sowie pointiert und oft extrem witzig präsentiert. Die anderen drei Hauptfiguren lassen mich aber bisher noch ziemlich kalt, da sie entweder schlicht langweilig (Marnie) oder unglaubwürdige Karikaturen (Jessa und Shoshanna) sind. Hinzu kommt, dass alle nennenswerten Beziehungen der Hauptfiguren (Hanna zu Adam, Marnie zu ihrem noch langweiligeren (Ex-)Freund) von vornherein als reine Problemstellung angelegt sind und Dunham keine Zeit darauf verwendet, zu erklären, was irgendeiner dieser Menschen am anderen findet, sodass ich keinen Grund sehe, warum ich mich als Zuschauer dafür interessieren soll, wer hier mit wem zusammenbleibt oder vögelt oder nicht.

Wann immer ich mich jedoch gerade dafür entschieden habe, die Serie zu hassen, folgt einer dieser subtil-brillanten Momente (Hanna „komponiert“ ihren Tweet, ihr Chef nimmt ihre Ankündigung, nicht mehr umsonst arbeiten zu wollen, wie selbstverständlich als Kündigung wahr etc.) oder wenigstens einer dieser schmerzhaft-komischen (jede Hanna/Adam-Sexszene) und ich kann zumindest erahnen, warum die Serie so viele Kritiker in Ekstase versetzt. Das ist immerhin genug, um mich vom Potential von Girls zu überzeugen und glauben zu lassen, dass die Probleme der Serie eher Kinderkrankheiten sind und Dunham nur Zeit braucht, um ihre Figuren und deren Beziehungen auszuarbeiten.

Review: Four Lions

„Funny“ – das steht als Auszug von Reviews gleich mehrfach auf der DVD-Hülle von Four Lions. Tatsächlich scheinen sich die meisten Kritiker über die Qualitäten des Films einig zu sein (81% bei Rotten Tomatoes) – dabei hätte Four Lions auf dem Papier durchaus das Potential, zu polarisieren: Der Film erzählt von einer Gruppe britischer Muslime, die gerne Selbstmordattentäter wären, auch, wenn eigentlich keiner so ganz formulieren kann, was sie an der westlichen Kultur stört, ganz zu schweigen davon, dass schon rein physisch niemandem klar ist, welches Ziel man denn sprengen will.

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