Wasting Away #23: Biker by Day, Ninja by Night (MIAMI CONNECTION, WHO AM I, BIRDMAN)

Wasting Away #23 ist hier! Wir besprechen den deutschen Hacking-Thriller WHO AM I sowie Michael Keatons Meta-Comeback BIRDMAN! Und es gibt mit MIAMI CONNECTION einen der rätselhaftesten (und unterhaltsamsten) Trash-Filme der bisherigen Wasting Away-Geschichte! UND wir begrüßen unseren ersten Special Guest!

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00:00:00 – Intro

00:08:10 – WHO AM I

00:18:00 – BIRDMAN (& ein Bisschen David Fincher-Talk)

00:37:15 – MIAMI CONNECTION

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Wasting Away #22: Look! Coolio! (LEPRECHAUN IN THE HOOD, MAZE RUNNER, DOCTOR WHO)

Hier ist die 22. Ausgabe unseres Podcasts über Filme, die nur mit Alkohol zu ertragen sind! Wir besprechen unter anderem MAZE RUNNER, die aktuelle Staffel von DOCTOR WHO, A MOST WANTED MAN mit Phillip Seymour Hoffman sowie den großartigen FRANK.

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00:00:00 – Intro (inkl. Patreon-Erklärung)

00:10:00 – A MOST WANTED MAN

00:15:05 – MAZE RUNNER

00:24:00 – MAPS TO THE STARS

00:31:30 – DOCTOR WHO

00:44:00 – FRANK (plus Exkurse über DRECKSSAU, GARDEN STATE und Depressionen im Film)

01:05:20 – LEPRECHAUN IN THE HOOD

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Wasting Away #21: The Adventures of Stella Artois (STARCRASH, GUARDIANS OF THE GALAXY, SIN CITY)

Jajaja, es hat schon wieder einen Monat gedauert, bis die neue Wasting Away Folge erscheint. Dafür widmen wir uns diesmal allerdings wie versprochen unserem ersten Hörervorschlag, dem, naja, von STAR WARS “inspirierten” David Hasselhoff-Vehikel STARCRASH.

Vorher gibt es allerdings noch unsere Reviews zu GUARDIANS OF THE GALAXY (duh), SIN CITY 2 und HERCULES, sowie einen ausführlichen Exkurs über die eher deprimierenden Dinge, die sich gerade in der Gamer-Szene abspielen.

00:00:00 – Feminist Frequency, Zoe Quinn & Sexismus in der Gaming-Szene

00:24:05 – GUARDIANS OF THE GALAXY

00:39:45 – SIN CITY 2: A DAME TO KILL FOR

00:58:15 – HERCULES

01:11:00 – Robin Williams

01:31:00 – STARCRASH

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Wasting Away #20: Mister USB-Stick (JOHNNY MNEMONIC, 22 JUMP STREET, PLANET DER AFFEN)

Die 20. Folge Wasting Away ist hier, und nach der kompakten #19 gibt es diesmal eine Super Sized-Version unseres Podcasts,  mit neuen Streaming-Empfehlungen, Besprechungen zu 22 JUMP STREET und DAWN OF THE PLANET OF THE APES, sowie dem besten Nicolas Cage-Film, in dem Nicolas Cage nicht mitspielt: JOHNNY MNEMONIC.

Wenn euch der Podcast gefällt, freuen wir uns über eine Bewertung und/oder ein Review bei iTunes.

00:00:00 – Intro
00:06:00 – KITCHEN NIGHTMARES (ja, ernsthaft)
00:11:50 – MACHETE MAIDENS UNLEASHED
00:18:35 – ELAINE STRITCH: SHOOT ME
00:20:40 – LIFE ITSELF
00:34:35 – TUSK – Trailer
00:41:50 – 22 JUMP STREET
00:56:30 – PLANET DER AFFEN: REVOLUTION
01:35:40 – JOHNNY MNEMONIC

 

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Rumors of the spoof movie’s death have been greatly exaggerated: 22 JUMP STREET & THEY CAME TOGETHER

Es wäre interessant zu wissen, an welchem Punkt im langen, komplizierten Entwicklungsprozess eines Hollywood-Franchise für gewöhnlich die Entscheidung fällt, Phil Lord und Christopher Miller mit der Realisierung des Projekts zu beauftragen. In meiner Vorstellung traut sich irgendwann, in irgendeinem Sitzungsraum voll mit big shot Executives ein Praktikant oder ein Assistent zwischen zwei Gängen zur Kaffeemaschine, seine Stimme zu erheben und zu sagen, “Wir wissen aber schon alle, dass das hier eine grund-doofe Idee ist, oder?” und dann sind erstmal alle im Raum empört, bis der “Biggest Shot” irgendwas wie “Let him speak.” sagt und alle werden still und der Praktikant oder Assistent führt aus, dass doch niemand ernsthaft glauben kann, dass die Verfilmung eines Kinderbuches, das nichtmal Charaktere hat oder ein Reboot einer 80er-Jahre-Serie, die schon damals cheesy wirkte oder ein abendfüllender Werbeclip für Plastikklötze eine gute Idee ist. Und dann ist kurz betretene Stille und es schauen alle gebannt den Biggest Shot an und der seufzt und sagt zum Praktikanten oder Assistenten, “Ruf Lord und Miller an.”

Und dann kommen Phil Lord und Christopher Miller und machen aus den schlechtesten Ideen Hollywoods die besten Filme, die dem Blockbuster-Kino in den letzten Jahren passiert sind. Den bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere markierte der ebenfalls dieses Jahr erschienene THE LEGO MOVIE, den ich ohne Übertreibung als Meisterwerk bezeichnen würde. 22 JUMP STREET ist im Vergleich dazu eine Fingerübung, doch er zeigt, wie sehr Lord und Miller ihre Art des Blockbuster-Kinos mittlerweile perfektioniert haben, wie sie aus ihrem Genie Routine gemacht haben und so selbst das müdeste, uninspirierteste “Genre”, das es gibt, das Comedy-Sequel, frisch und neu erscheinen lassen können. Ja, man könnte gar glaubhaft argumentieren, dass 22 JUMP STREET das beste Comedy-Sequel der Filmgeschichte ist.

Der Film funktioniert, weil Lord und Miller die Meta-Ebene, die im ersten Teil bereits vorhanden, aber größtenteils doch eher Subtext war, hier in den Vordergrund rücken, bis zu dem Punkt, an dem 22 JUMP STREET zum Spoof-Movie für Sequels aller Art wird. Der Plot ist identisch zu dem des Vorgängers, mit dem einzigen Unterschied, dass Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum) diesmal im College statt in der High School undercover ermitteln, um die Quelle einer neuen, gefährlichen Droge zu finden. Dies – die Ähnlichkeit im Verlauf der Ermittlungen – ist Anlass für unzählige Witze, angefangen mit Nick Offermans Police Captain, der Jenko und Schmidt im Briefing für ihre Mission anweist, es “genau so wie beim letzten Mal” zu machen. Immer wieder benennen Figuren genau das, was uns Filmfans an Sequels stört, und irgendwie ist es jedes Mal aufs Neue lustig, wenn sich die Charaktere innerhalb der Handlung explizit beschweren, wie vorhersehbar der Fall ist oder dass eine solche Ermittlung beim zweiten Mal nie so gut ist wie beim ersten.

Die andere wichtige Quelle für den Humor im Film ist erneut die Beziehung zwischen Schmidt und Jenko, und hier ist die starke Betonung der Meta-Ebene ein zwiespältigeres Vergnügen. Erneut ist die Beziehung ein Vehikel für diverse Referenzen auf den homoerotischen Subtext von Buddy Cop-Movies, und erneut macht das eine Menge Spaß, besonders, wenn Schmidt mit dem Footballer Zook (Wyatt Russell) einen Nebenbuhler um Jenkos, ähm, Liebe bekommt (inklusive explizit benanntem meet cute), was zu von Jonah Hill grandios gespielter Eifersucht seitens Schmidt und von Tatum mit wunderbarer Naivität intonierten Zeilen wie “Maybe we should investigate other people” führt. Doch was dieses Mal fehlt, ist die Verwurzelung solcher Momente in authentischen Gefühlen der beiden Figuren zueinander – die Beziehung ist nur Meta-Ebene, das durchaus berührend-romantische, das sie im ersten Teil hatte, fehlt hier, ob bewusst oder unbewusst. Nach wie vor funktioniert das ganze als smarte Dekonstruktion von Buddy Movie-Klischees und stellenweise auch als Herausforderung des mit jeder Menge gross out-Humor auch dieses Mal wieder bedienten Fratboy-Publikums und dessen (unterstellter) Homophobie, doch der erste Teil und, um noch eine Nummer höher zu greifen, Edgar Wrights HOT FUZZ haben gezeigt, dass dies nicht auf Kosten der Involviertheit und des Mitfühlens des Zuschauers gehen muss – wenn überhaupt funktionierte zumindest das Homoerotische noch eine Nummer besser im ersten Teil, denn wenn die Beziehung wie hier wirklich gar nicht ernst genommen wird, ist es, obwohl 100% und für kluge Zuschauer sofort erkennbar nicht so intendiert von Lord und Miller, für die weniger sympathischen Zeitgenossen im Publikum durchaus möglich, das Ganze als “Haha, die sind ja schwul! Voll bäh!”-Witz zu sehen, was im ersten Teil kaum und definitiv nicht in HOT FUZZ möglich war.

Auch Schmidt neues Love Interest, Studentin Maya (Amber Stevens) leidet unter der starken Betonung der Meta-Ebene, denn anders als Brie Larsons Figur im ersten Teil wird sie nie zum eigenständigen, lebendigen Charakter, sondern bleibt rein funktional, ein McGuffin, damit Schmidt einen der villains, Mayas Mitbewohnerin Mercedes (brillant: Jillian Bell) kennenlernen kann, und ein Setup für einige zugegeben sehr witzige Szenen, wenn ihr Vater (Ice Cube), der rein zufällig Schmidt und Jenkos Vorgesetzter bei ihrer Mission ist, von Schmidts Beziehung zu seiner Tochter erfährt. Mayas Subplot bekommt auch kein richtiges Ende, sondern verläuft einfach irgendwo im Sand, was angesichts der Tatsache, dass er ohnehin nie wirklich involvierend war, nicht so schlimm ist, aber noch einmal zeigt, wie wenig Interesse Lord und Miller und die Autoren Michael Bacall, Oren Uziell, Rodney Rothman und, ja, Jonah Hill (Story-Credit) daran hatten, eine tatsächlich interessante, unabhängig von der Meta-Ebene funktionierende Geschichte zu erzählen.

22 JUMP STREET funktioniert daher “nur” als Spoof-Movie und so richtig auch nur, wenn man den ersten Teil gesehen hat. Das macht ihn zum schwächeren der beiden Filme, aber auf dem Niveau, auf dem Lord und Miller agieren, ist auch das noch einer der besten Mainstream-Filme und vielleicht die lustigste Komödie des Jahres. Lord und Miller legen ein derartiges Tempo vor, fahren eine derartige Dichte an treffsicheren Gags auf, dass die fehlende emotionale Involviertheit im Grunde erst nachträglich und im direkten Vergleich mit dem Vorgänger auffällt – für sich genommen funktioniert 22 JUMP STREET perfekt, erreicht genau das, was er erreichen will. Dass dabei oft viele Gags übereinander geschichtet werden – Genre-Dekonstruktion in Popkultur-Referenz in gross out-Witz – dürfte außerdem dafür sorgen, dass 22 JUMP STREET auch mehrfachen Sichtungen standhält, ja, sie vielleicht sogar belohnt.

 

Kinostart: 31. Juli 2014


THEY CAME TOGETHER ist nicht ganz so gut wie 22 JUMP STREET – der Film ist auf den VOD-Plattformen, auf denen er in den USA zeitgleich mit einem (limitierten) Kinostart veröffentlicht wurde, gut aufgehoben – , doch es ist ein weiterer Film, den man gleichzeitig als “Spoof-Movie” und als “lustig” bezeichnen kann, was heutzutage ja eine echte Seltenheit ist.

Der Film von David Wain (WET HOT AMERICAN SUMMER) und mit Amy Poehler und Paul Rudd in den Hauptrollen ist eine Parodie auf Romantic Comedies, ein weiteres Genre, das einst großartige Filme hervorgebracht hat, dessen bloße Nennung heute aber Würgreflexe bei Filmfans auslöst. Eine Parodie dieses Genres ist daher genau die Sorte Film, die wir gerade brauchen, und entsprechend freute ich mich nach dem Trailer und angesichts des Regisseurs und der Besetzung auf den Film. Als ich ihn dann am Releasetag (der zufällig auf dasselbe Datum wie die PV zu 22 JUMP STREET fiel) gesehen habe, war ich zunächst ein Bisschen enttäuscht: Die Filme, auf die Wain und co. hier explizit verweisen, sind nicht die modernen, furchtbaren Romantic Comedies der Katherine Heigl-Schule, sondern die der 80er und 90er, insbesondere die aus der Feder von Nora Ephron – also die Romantic Comedies, die tatsächlich gut waren. Entsprechend ist THEY CAME TOGETHER eine wesentlich liebevollere, weniger angriffslustige Parodie als ich erwartet hatte, was nicht schlimm ist, den Film aber auch weniger relevant macht.

Doch nachdem diese – kleine – Enttäuschung verkraftet war, hatte ich großen Spaß mit THEY CAME TOGETHER. Der Film steht in der Tradition der großen ZAZ-Parodien und gefällt sich in seiner konsequenten, ununterbrochenen Albernheit – keine einzige Szene wird straight gespielt, keine Gelegenheit ausgelassen, noch einen großartig-dummen Witz zu machen. Es gibt ungefähr eine Million Szenen, in der das (nicht nur) RomCom-Klischee, dass Charaktere sich im Weggehen noch eine letzte Weisheit mit auf den Weg geben (“Wait, one more thing.” – “What?” – “Be careful!”) parodiert wird und meine Reaktion darauf entwickelte sich von anfänglichem Schmunzeln über genervtes Aufstöhnen zu lautem, unkontrollierbarem Lachen – die kindliche Freude, mit der sich der ziemlich unglaubliche Cast (ich wüsste nichtmal, wo ich anfangen soll, die Beteiligten aufzulisten) in die herrliche Doofheit dieses Films wirft, ist ansteckend und bald fühlte ich mich zurückversetzt zu einem dieser Sonntagnachmittage in meiner Kindheit, an denen ich NAKED GUN oder AIRPLANE! auf Kabel 1 geguckt habe. THEY CAME TOGETHER ist kein Film für jeden, sondern den ausgewählten Teil des Publikums, der sowohl klassische Romantic Comedies als auch Spoof Movies liebt. Innerhalb dieser Gruppe hat er allerdings das Zeug zum Kult, denn es ist die Sorte Film, dessen Witze sich im Gedächtnis festsetzen und darauf warten, bei der nächsten “richtigen” RomCom zitiert zu werden. Ich jedenfalls werde nie wieder eine New Yorker Skyline sehen können, ohne in einen Monolog über New York, das ja selbst ein eigener Charakter in der Story ist, zu verfallen.

 

Jetzt auf (amerikanischen) VOD-Plattformen erhältlich, Kinostart / Deutschland-Release unbekannt.

MARRIED / YOU’RE THE WORST (neue FX-Serien)

Wir befinden uns in dieser entbehrungsreichen Phase des Jahres, die Seriennerds als “Midseason” bekannt ist, ansonsten aber zum Beispiel auch “Sommerloch” genannt wird. Es ist diese Zeit, in der ich, die Ansprüche vom Fernsehentzug gesenkt, zweit- und drittklassige Serien, die ich bisher ignoriert habe, nachhole, und von den wenigen Serien, die dann doch das Pech haben, in dieser ungünstigen Zeit ihre Erstausstrahlung zu feiern, so ziemlich allen eine Chance gebe, auch, wenn sie im Grunde total uninteressant klingen. Und manchmal – nicht oft, aber oft genug, um es immer wieder zu versuchen – erlebt man so tatsächlich eine positive Überraschung, eine Serie, die auch außerhalb der Midseason bestehen könnte.

Dieses Jahr hat der Sender FX (of LOUIE-fame) gleich zwei solcher Serien zu bieten: MARRIED und YOU’RE THE WORST laufen donnerstags im Doppelpack, und das ist kein Zufall, denn thematisch bzw. vom Konzept her verfolgen beide einen ähnlichen Ansatz, nämlich ausgelutschten (Romantic-)Sitcom-Storylines einen edgy Twist zu geben, sie (zaghaft) zu dekonstruieren und im besten Fall aus ihrem altbackenen Rahmen neue Einsichten über romantische Beziehungen zu gewinnen. Im Ergebnis kommt, soweit man es nach den jeweils ersten zwei Folgen beurteilen kann, in beiden Fällen eine unterhaltsame, sehenswerte Serie dabei raus, jedoch ist MARRIED sowohl konsequenter in der Verfolgung dieses Konzeptes als auch subtiler, was es zur besseren Show macht, allerdings auch dafür sorgen könnte, dass – you’ve heard it here first – die Serie schnell wieder abgesetzt wird.

YOU’RE THE WORST ist lauter, flashier, die Hauptdarsteller jünger, weswegen ich der Serie größere Chance zugestehe. Es geht um Jimmy (Chris Geere) und Gretchen (Aya Cash), zwei Borderline-Soziopathen, die sich auf der Hochzeit einer gemeinsamen Freundin kennen und hassen lernen, dennoch miteinander im Bett landen und sich dann doch weiter zueinander hingezogen fühlen. Tatsächlich ist die Serie konventioneller, als es vielleicht auf den ersten Blick scheint, sie folgt letztlich im weitesten Sinne klassischen RomCom-Beats, nur dass die beiden Hauptfiguren eben nicht liebenswert und tollpatschig sind, sondern garstig und egozentrisch und (eigentlich) nicht zu authentischen Beziehungen fähig (aber, unter dieser Oberfläche, natürlich wiederum voller Unsicherheit und Selbsthass und dem Bedürfnis nach Nähe). Das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller trägt die Serie, die Chemie stimmt und besonders Aya Cash spielt hervorragend. Es macht Spaß, zu sehen, wie die beiden gegenüber anderen Menschen ganz ungeniert ihre Misanthropie ausleben und es ist erstaunlich berührend, wenn sie allein miteinander sind und die Wände, die sie aufgebaut haben, vielleicht nicht einreißen, aber zumindest mal einen Blick darüber werfen. Und hin und wieder überrascht die Serie, wenn sie dann doch mal einen erwarteten Plot-Point auslässt oder einen anderen Weg geht als erwartet (in der zweiten Folge beispielsweise steuert alles auf eine große, laute Konfrontation in der Öffentlichkeit hin, auf die allerdings zugunsten eines subtilen, wesentlich effektiveren Austausch von halb passiv-aggressiven, halb hilferufenden Sticheleien verzichtet wird). Wie lange das ganze funktionieren kann, bedenkt man, dass man schon jetzt das Gefühl hat, alles über die Charaktere zu wissen, bleibt abzuwarten, aber die bisherigen Folgen machen Spaß und allein für die Darsteller lohnt es, der Serie zumindest eine Chance zu geben.

Die Prämisse von MARRIED ist im Sitcom-Genre tatsächlich noch breitgetrener als die von YOU’RE THE WORST: Die Serie folgt einem Paar in ihren 40ern, aus deren Ehe nach Jahren des Zusammenlebens und drei Kindern langsam die Luft zu entfleuchen droht, was der Plot von ungefähr 86% aller Sitcoms der 80er und 90er Jahre ist. Doch in einigen entscheidenden Aspekten unterscheidet sich MARRIED von solcher Stangenware: Zuerst einmal werden die Protagonisten nicht von der üblichen “lustiger”-dicker-Schauspieler-und-egal-hübsche-Schauspielerin gespielt, sondern von Nat Faxon und Judi Greer. Die beiden sind nicht nur großartige Schauspieler, sondern auch glaubhaft als Paar (dass beide seit vielen Jahren in bester Freund- oder Comic Relief-Rollen gecastet und selten als Hauptdarsteller zu sehen sind, gibt dem Ganzen sogar noch einen interessanten Subtext – this is the sound of settling).

Der zweite, wichtigere Unterschied, der MARRIED vom Sitcom-Einheitsbrei absetzt, ist, dass Creator Andrew Gurland und seine Autoren tatsächliches Interesse daran haben, die Feinheiten und Probleme und, insbesondere, die Enttäuschungen ehelichen Zusammenlebens (und des Erwachsenseins generell) zu erkunden, und dafür auch nicht davor zurückschrecken, in ihrer Sitcom auch düsterere Töne anzuschlagen – stellenweise ist MARRIED geradezu deprimierend, wenn auch dabei weiterhin ziemlich komisch. Der Ansatzpunkt sind dabei oft Standard-Sitcom-Situationen: Der Konflikt im Piloten ist ganz klassisch: Faxons Russ ist frustriert über das eingeschlafene Sexleben, seine Frau, Greers Lina, ist ermüdet von der Arbeit mit den gemeinsamen Kindern und lacht nur über seine Versuche, wieder Leidenschaft in ihre Beziehung zu bringen. Doch wenn Lina Russ sagt, er solle sich doch anderswo Befriedigung verschaffen, ist das kein Witz oder Setup für irgendein wacky Missverständnis, sondern stellt tatsächlich die Frage, ob Russ’ und Linas Ehe seine Untreue überleben könnte, vielleicht sogar braucht – und der zu Grunde liegende Konflikt ist am Ende der Folge auch nicht sauber aufgelöst, lediglich aufgeschoben.

Was außerdem positiv an MARRIED auffällt, ist wie lebendig, wie durchdacht die kleine Welt der Show, der Mikrokosmos um Russ und Lina schon jetzt wirkt. Die Nebencharaktere sind von Anfang an interessant, füllen, anders als die von YOU’RE THE WORST, klar definierte Funktionen aus, und sind mit Comedians wie Brett Gelman und dem – you’ve heard this here first, too – zukünftigen Megastar Jenny Slate auch hervorragend besetzt. Und obwohl auf allzu viel Exposition und Backstory verzichtet wird, offenbaren sich in den Dialogen doch immer wieder kleine Puzzleteile, aus denen man sich nach und nach ein Bild von den Beziehungen der Figuren und ihrer gemeinsamen Vergangenheit machen kann.

Das alles wird in einem so unaufgeregten wie intimen Look präsentiert. Die zweite Folge (und weitere der Staffel) wurde von Jesse Peretz inszeniert, einer von Lena Dunhams Haus- und Hofregisseuren bei GIRLS, was eine ungefähre Vorstellung vom Look & Feel der Serie geben dürfte.

So, yeah: Sowohl MARRIED als auch YOU’RE THE WORST sind Serien, in die es sich lohnt, reinzugucken, und die hervorragend als companion pieces füreinander funktionieren. Doch während YOU’RE THE WORST, obwohl erfolgsversprechender, für mich eher nice to have ist, wäre MARRIED die Serie, um die ich traurig wäre, sollte sie tatsächlich nicht allzu lange durchhalten – und sei es nur, weil die ewige beste Freundin und wacky sidekick Judy Greer hier endlich die verdiente Hauptrolle spielen darf.

Monty Python Live (mostly)

Morgen findet die letzte der Reunion-Shows von Monty Python in der Londoner O2-Arena statt. Das ganze wird live auf Arte Concert übertragen, irgendwann gibt es auch noch eine Ausstrahlung im TV-Programm des Senders mit deutschen Untertiteln. Ich hab mal aufgeschrieben, wie es bei der Live-Show war.

So sehr ich mich auch darauf gefreut habe, Monty Python in der Londoner O2-Arena live zu erleben — und ich glaube nicht, dass ich jemals in meinem Leben einem Ereignis so entgegengefiebert habe, außer vielleicht dem einen Weihnachten als Kind, zu dem ich mir einen Nintendo 64 gewünscht hatte — : Weder meine Erwartungen noch meine Ansprüche waren besonders groß. Ein Best of der klassischen Python-Sketche, vielleicht ein, zwei neue Songs von Eric Idle, viel mehr hatte ich gar nicht erwartet — im Grunde eine Wiederaufführung von Monty Python Live at the Hollywood Bowl.

Doch Monty Python Live (mostly) ist mehr als das. Natürlich erfinden Python sich nicht neu und natürlich dominiert klassisches Material, doch die Inszenierung und Überraschungen machen die Show zu mehr als “nur” der Live-Version einer Greatest Hits-Compilation.

Zu verdanken ist das wahrscheinlich zu großen Teilen Eric Idle. In den letzten Jahren haftete ihm ein wenig der Ruf der Geldmacherei an (woran vermutlich in erster Linie John Cleese Schuld ist), und tatsächlich war Idle immer derjenige, der seine Projekte am großzügigsten mit der “Marke” Monty Python bewarb. Nur waren diese Projekte — zumindest die, die ich gesehen habe — dieser Marke eben auch durchaus würdig: das Musical Spamalot und vor allem He’s not the Messiah (He’s a Very Naughty Boy), ein Oratorium basierend auf Life of Brian, waren großartige Produktionen, die sowohl als Adaption des klassischen Python-Materials als auch als eigenständige Werke bestehen können.

Insofern macht es nur Sinn, dass Idle der klare Drahtzieher der Python-Reunion ist. Er ist der Regisseur der Show, sein langjähriger musikalischer Partner John du Prez der musikalische Leiter, und die Handschrift der beiden ist in der ganzen Show zu spüren — auf sehr positive Weise: Musik spielte schon immer eine wichtige Rolle bei Python, doch noch nie wurde sie mit solchen Production Values präsentiert: Ein Orchester plus Chor sowie eine Menge großartiger Tänzer lassen die altbekannten Songs in neuem, spektakulärem Licht erstrahlen, was gerade bei den weniger ikonischen Songs erstaunlich gut funktioniert — Sit on my Face und der Penis Song (inkl. neuen Strophen über Ärsche und Vaginas. #equality.) sind noch lustiger, wenn sie von einer zig-köpfigen Gruppe blutjungen Tänzer_innen performt werden. Die Musical-Elemente helfen auch dabei, die ein oder andere “Schwäche” der Pythons auszubügeln: Wir wussten im Voraus, dass John Cleese aufgrund seines künstlichen Hüftgelenkes den Silly Walk nicht mehr performen kann, doch dank der besten Choreographie der Show, zum tollen, neuen Silly Walk Song, ist das Ministry of Silly Walks dennoch eins der großen Highlights des Abends.

Die Musik erfüllt, in Kombination mit Clips aus der originalen TV-Show und Terry Gilliams Animationen (sowohl klassischen Cut-Up-Sequenzen als auch Computer-Animation, die sich sehr gut in den Gesamtstil einfügt, kommen zum Einsatz), noch eine weitere, noch wichtigere Rolle für die Show: Mit Hilfe dieser Elemente rekreieren Idle und co. das Feeling der alten TV-Show – den stream of consciousness, der eine Folge als ein Gesamtwerk statt einer bloßen Ansammlung von Sketchen ohne größeren Zusammenhang erschienen ließ. Wie damals im Fernsehen ist auch bei der neuen Live-Show nicht immer sofort ersichtlich, wo ein Sketch aufhört und der nächste beginnt, was dem Humor der Pythons und ihrer Art, Sketche zu strukturieren nur zu Gute kommt, denn bekanntlich haben viele ihrer Sketche gar kein richtiges Ende, geschweige denn eine klassische Pointe.1

Was gelegentlich kritisiert wurde – dass immer wieder für längere Zeitspannen (i.e. die Dauer eines Songs, z.B.) keiner der Pythons selbst auf der Bühne steht – ist meiner Meinung nach also eher notwendig für das Gelingen der Show als Gesamtwerk – zumal es nicht auf Kosten des eigentlichen Sketch-Materials geht: Mir fällt eigentlich kein klassischer Sketch ein, der in der Show “fehlte” – letztlich werden nur die Kostümwechsel mit Musicalnummern und Clips überbrückt, was vielleicht stört, wenn man wirklich nur da ist, um die Pythons auf der Bühne zu sehen, wenn man aber Interesse an einer wirklich guten, durchkonzeptionierten Show hat, nur positiv ins Gewicht fallen kann.

Eine Überraschung allerdings war für mich noch erfreulicher: Hätte man mich vor der Show gefragt, welcher der Pythons am wenigsten Lust auf die Reunion hat, ich hätte ohne zu Zögern John Cleese genannt. Cleese war derjenige, der sich jahrelang gegen eine Reunion sperrte (und, wie erwähnt, zeitweise mit Eric Idle aufgrund dessen Nutzung des Python-Namens zerstritten war), Cleese war derjenige, der damals als erster ausstieg und überhaupt, hat John Cleese eigentlich auf irgendwas, was er tut, tatsächlich Lust? Tatsächlich habe ich Cleese jedoch wohl nie so sichtbar spielfreudig erlebt wie an diesem Abend (und ich gehe davon aus, dass man für die anderen Abende ähnliches sagen konnte), er warf sich mit Verve in jede einzelne seiner Rollen und bewies, dass er noch immer der beste lebende komische Schauspieler der Welt ist.2 So sehr ich jeden einzelnen der Pythons liebe und so sehr es vor allem das Zusammenspiel so unterschiedlicher, jeder auf seine Art genialer Performer und Autoren ist, das Python so gut macht, als bloßer komischer Performer überragte Cleese die anderen stets (nicht nur im wörtlichen Sinne) und tut es noch immer. Dennoch waren auch alle anderen gewohnt großartig und natürlich hätte keiner der Pythons an diesem Abend fehlen dürfen – okay, Eric Idle war sichtbar etwas angespannt, aber das war angesichts der großen Verantwortung, die er stemmen musste, verständlich und ja, Terry Jones hat in einem Sketch seinen Text abgelesen, doch Jones war nie der größte Performer unter den Pythons (weil er nicht wollte, nicht, weil er nicht konnte), abgesehen natürlich davon, dass er unbestritten die beste Frau unter den Pythons ist, wovon man sich in einer live ungefähr 87% lustigeren Version des “Penguin on the TV”-Sketches auch an diesem Abend wieder überzeugen konnte. Übrigens kam das fortgeschrittene Alter den Pythons, mit wenigen Ausnahmen wie Nudge Nudge, Wink Wink, eher entgegen: Sketche wie Four Yorkshire Men, in dem die Pythons über ihre längst vergangene Kindheit in Pappkartons (“Ha! Wir haben damals von einem Pappkarton geträumt!”) sinnieren, oder die vielen Autoritätsfiguren im Repertoire von John Cleese (der ohnehin zu den Menschen gehört, die schon immer alt waren) funktionieren nochmal eine ganze Ecke besser, wenn die Performer die erforderte Gravitas und Lebenserfahrung projizieren und nicht vortäuschen müssen.

Das alles ist natürlich viel Herumreden um den eigentlichen Punkt: Unabhängig davon, ob man die Inszenierung der Show und die Musical-Nummern etc. nun mag oder nicht, geht es am Ende vor allem doch darum, die Pythons tatsächlich noch einmal live zu sehen, im selben Raum wie sie zu sein und zu erleben, wie sie ihr legendäres Material auf die Bühne bringen. Und das ist genau so ein unbeschreibliches Gefühl, wie ich es mir erhofft hatte – mindestens so oft, wie ich lachen musste, musste ich auch mit den Tränen kämpfen. Weil es als Fan einfach rührend ist, wenn Cleese und Palin sich beim Dead Parrot-Sketch nicht mehr in die Augen sehen können, ohne loszulachen, wenn Terry Gilliam sich mit derselben kindischen Freude wie früher in die demütigendsten Rollen der Show wirft, wenn immer wieder auf liebevoll-respektlose Weise an Graham Chapman erinnert wird, generell wenn diese großen, alten Männer der Comedy noch einmal richtig silly sind, das sichtlich genießen und dabei dennoch ihre Würde behalten.

 


  1. Mein vielleicht liebster Moment an dem Abend, als ich die Show sah, war der, als John Cleese Michael Palin im letzten Sketch unter mühsam unterdrücktem Lachen aufforderte, er möge sich doch bitte eine Punchline ausdenken, damit endlich alle nach Hause gehen können.  
  2. Cleese war auch derjenige, der am häufigsten lachen musste, zum ersten Mal noch bevor er seine erste Zeile – die auch die erste der Show ist – sprechen konnte.  

Wasting Away #19: Niemand sonst macht diese Art von Scheiße (TRANSFORMERS, Monty Python, MANOS: THE HANDS OF FATE)

Die neue, ungewöhnlich kompakte Folge unseres Podcasts, live aufgenommen im Sputnik Kino über den Dächern von Berlin, hat nicht nur eine Geräuschkulisse, die wir mal großzügig als “atmosphärisch” bezeichnen wollen, sondern auch ein Review zu TRANSFORMERS 4, Berichte über Kevin Smith und Monty Python live in London und ein neues, fröhlich-trashiges musikalisches Intro! UND natürlich besprechen wir auch wieder einen grandiosen schlechten Film, nämlich den legendär bizarren MANOS: THE HANDS OF FATE.

00:00:00 – Intro
00:02:45 – EPISODES Season 3
00:05:30 – Monty Python Live (mostly)
00:15:15 – TRANSFORMERS 4
00:32:20 – CLERKS 3-News und Kevin Smith live in London
00:42:05 – EVIL DEAD – The Musical
00:47:45 – MANOS: THE HANDS OF FATE

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Lied zur WM

Mein Kampf für die Rechte von Randgruppen geht weiter. Nach der kleinsten Randgruppe der Welt – Matthias Matussek – widme ich mich nun der größten: Fußballfans. Denn auch die muss man tolerieren, auch, wenn man ihren Lifestyle vielleicht ein Bisschen eklig findet.

A Million Ways to Die in the West

Das Problem an Seth MacFarlane ist nicht, dass er untalentiert wäre. Das Problem ist, dass MacFarlane ein überdurchschnittlich talentierter Comedy-Autor und -Regisseur ist, der denkt, er wäre ein Genie.

Das ist es, was A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST so frustrierend macht. Der Film enthält alle Zutaten für eine gute, ja sogar eine großartige Komödie. Doch MacFarlane scheint nicht zu wissen, worin er wirklich gut ist, verlässt sich auf seinen vermeintlichen Charme und seine vermeintliche Cleverness anstatt auf sein Talent, Charaktere zu erschaffen und Geschichten erzählen. A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST hätte ein Showcase sein sollen für den talentierten Filmemacher, der so manchen Skeptiker überraschte, als er mit TED eine grundsympathische, herzensgute Komödie ablieferte – stattdessen ist es allzu oft ein Showcase für den blasierten, selbstverliebten Komiker, wegen dessen Bully-Humor die Oscars im letzten Jahr so unangenehm anzusehen waren.

Wenn Kritiker (und genervte Zuschauer) sich über FAMILY GUY beschweren, werfen sie der Serie meist vor, dass ihr Humor zu sehr auf Cutaway-Gags und Popkultur-Referenzen basiere. Der Vorwurf ist irgendwie korrekt, aber irgendwie auch ein Bisschen falsch: Cutaway- und Popkultur-Gags sind nicht an sich unlustig oder hacky. Das Problem ist, dass sie in FAMILY GUY aus dem Nichts kommen, keine Relation zu Story und Charakteren haben. Deswegen störte es nicht, dass auch TED den ein oder anderen Cutaway-Moment und ganze Popkultur-Referenz-Subplots hatte: Mit Charakteren, die, wie MacFarlane selbst, von 80er-Jahre-Popkultur besessen waren, wirkten die Flash Gordon-Referenzen nicht so aufgesetzt wie in FAMILY GUY, sondern wie ein Teil der filmischen Realität – selbst den AIRPLANE-Disco-Flashback konnte man als Marky Marks verklärte Erinnerung lesen und damit als Symptom der kindischen Verweigerung von Weiterentwicklung und Konfrontation der Realität, die er im Film überwinden musste. Kurz: TED funktionierte, weil er MacFarlanes sehr eigenen Humor zwar beibehielt, aber durch gute Charaktere und Story erdete und die Konsistenz der filmischen Realität aufrecht erhielt.

A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST tut fast dasselbe und funktioniert daher, deprimierender Weise, auch fast. Der Film ist voll mit glaubhaften, ordentlich geschriebenen und von den Schauspielern brillant zum Leben erweckten Charakteren, erzählt eine nicht unbedingt wahnsinnig originelle, aber doch funktionierende Geschichte und kommt gänzlich ohne Cutaways und mit einem Minimum an unpassenden Popkulturreferenzen aus. Dazu ist der Film von Michael Barrett größtenteils ansprechend, teils wunderschön fotografiert und hat einen mitreißenden, euphorischen, authentischen Western-Score von Joel McNeely. MacFarlane hat sich eine Menge Mühe gegeben, hier die Illusion einer kohärenten, glaubhaften, involvierenden Welt zu erschaffen – und zerstört sie dann im Alleingang.

MacFarlane spielt den Schafbauern Albert, der, nachdem er sich feige einem Duell entzogen hat, von seiner Freundin Louise (Amanda Seyfried) zu Gunsten des schmierigen, Schnauzbart-tragenden Foy (Neil Patrick Harris) verlassen wird. Kurz darauf begegnet Albert Anna (Charlize Theron), freundet sich mit ihr an, verliebt sich, yadayadayada. Das Problem dabei: Anna hat “vergessen” zu erwähnen, dass sie die (nicht ganz freiwillige) Frau des gefürchteten Banditen Clinch (Liam Neeson) ist, der sie in wenigen Tagen in der Stadt abholen wird.

Fast jedes Element dieses Plots funktioniert, teils aufgrund des Drehbuchs, teils aufgrund der tollen Schauspieler. Lediglich Seyfrieds Figur ist vielleicht ein Bisschen underwritten, doch MacFarlanes Trauer über das Ende ihrer Beziehung wird schnell zu Aggression gegen ihren neuen Freund, und NPH liefert eine großartig-cartoonige Performance als mustache-twirling villain. Liam Neeson ist, naja, Liam Neeson und entsprechend perfekt besetzt als Annas tatsächlich furchteinflößender Ehemann. Am wichtigsten jedoch: Charlize Therons Anna ist eine wirklich gut geschriebene Frauenfigur, mit eigener Persönlichkeit und Motivation, mit Humor, Charme und tatsächlicher Chemie mit MacFarlane. Das liegt zum großen Teil an Therons Performance, nach YOUNG ADULT und ARRESTED DEVELOPMENT vielleicht die beste in ihrer Karriere, scheint sie es doch sichtlich zu genießen, eine menschliche, nahbare Figur zu spielen anstelle der x-ten Variation ihrer gefühlskalten, eindimensionalen villain-Charaktere. Man muss hier allerdings auch den Regisseur MacFarlane und seine Schauspielführung loben, denn er erlaubt seinen Figuren etwas, was man in Filmen so gut wie nie zu sehen bekommt und was Wunder wirkt, die Chemie zweier sich verliebender Figuren zu illustrieren: Albert und Anna dürfen über die Witze des jeweils anderen lachen. Wer den Trailer gesehen hat, kennt die “I’m gonna shoot a full load at your cans.”-Szene, die bei mir in dieser kontextlosen Form immer ein genervtes Stöhnen hervorrief, im Kontext des Films, in Kombination mit Therons Reaktion, allerdings wie das Herumalbern zweier Charaktere daherkommt, die tatsächlich Spaß aneinander zu haben scheinen und bei denen spürbar ist, was sie aneinander finden.

Das eine schwache Glied in der Kette, bis zu dem Punkt, an dem die Kette zu reißen droht, ist jedoch MacFarlanes Figur. Ich verstehe den grundsätzlichen Witz: Albert lebt in der falschen Zeit. Er ist nicht für das Leben im Wilden Westen gemacht, und er weiß es. Das ist eine bewährte komische Prämisse (perfektioniert von Woody Allen in den early, funny ones), und es funktioniert auch hier eine Weile ganz gut: In einem Monolog früh im Film legt Albert seine Weltsicht dar, die im wesentlichen aus den titelgebenden “Million Ways to Die” besteht – der Westen ist gefährlich, “everything that is not you” könnte potentiell tödlich sein. Es ist eine witzige Szene an sich, mit einigen gut getimten sight gags, sowie gleichzeitig Setup für einen Running Gag, der sich durch den gesamten Film zieht und daraus besteht, dass alle paar Minuten Menschen auf absurd brutale Art bei alltäglichen Aktivitäten sterben. Das ist nicht gerade feinsinnig, aber durchaus unterhaltsam – wäre da nicht MacFarlanes Tendenz, nach so ziemlich jeder dieser Szenen eine Variante seines ursprünglichen Monologes abzuspulen, ohne, dass das in irgendeiner Form in die Dialoge integriert wäre – es wirkt eher, als würde MacFarlane die Handlung für eine mittelmäßige Stand Up-Routine unterbrechen. Das ist das Hauptproblem von A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST und es ist so ärgerlich, dass es von allem, was gut ist im Film, ablenkt: MacFarlane denkt, dass kein Witz wirklich komisch ist, bevor er – und er allein – darauf aufmerksam gemacht, ihn erklärt und dem Zuschauer mehrfach mit dem metaphorischen Ellbogen in die metaphorischen Rippen gestoßen und “Get it? GET IT!?” gerufen hat. Das ist nicht nur ermüdend, es geht – was viel schlimmer ist – auch auf Kosten der suspension of disbelief. MacFarlane hat eine glaubhafte Welt erschaffen, aber weigert sich, selbst ein Teil von ihr zu sein. Er ist nicht Woody Allen, der in seinen Kostümfilm-Parodien eher so wirkte, als hätte er verzweifelt versucht, sich in die Welt, die ihn umgibt, zu integrieren, der jedoch zu klein, zu linkisch, zu nerdy war, um wirklich ein Teil von ihr zu werden und sich daher in Sarkasmus flüchtete. MacFarlane wirkt, als wäre er kurz in der Werbepause der Oscars ans Set gelaufen und hätte sich nichtmal die Zeit genommen, sich das Gel aus den Haaren zu waschen oder wenigstens ein Bisschen symbolischen Dreck ins Gesicht zu schmieren, als hielte er sich für zu gut, um sich wirklich irgendeine Mühe zu geben, Teil seines eigenen Ensembles zu werden. MacFarlane sieht es offenbar als gegeben an, dass jeder Zuschauer jederzeit auf seiner Seite ist, weil er so unglaublich…ja, was: charmant? sympathisch? MacFarlane-y? ist. Das schadet letztlich den im Grunde guten Ideen des Films – es ist einfach nicht witzig, wenn MacFarlane sich über Neil Patrick Harris’ gewachsten Bart lustig macht, solange er dabei eine perfekt sitzende Gelfrisur trägt und alle zwei Sekunden einen Close-Up seines verdächtig faltenlosen Gesichtes zeigt.

Das Traurige ist, dass MacFarlanes Publikum wahrscheinlich tatsächlich genau das sehen will. Traurig deshalb, weil MacFarlane sich auf diese Weise selbst im Weg steht, weil er so aus purer Eitelkeit die Chance verspielt, einer der interessantesten komischen Filmemacher der Gegenwart zu werden. Denn was gut ist an A MILLION WAYS TO DIE IN THE WEST reicht aus, den ersten Eindruck aus TED zu bestätigen: MacFarlane kann mehr, als er in FAMILY GUY zeigt, er hat eine zwar vulgäre und kindische und brachiale, aber doch eigene, originelle Stimme, die sich wohltuend von Judd Apatow, Seth Rogen und co. abhebt1, und er hat Talent dafür, Geschichten zu erzählen, die mehr sind als bloße Vehikel für random Cutaway-Witze und die überraschend viel Herz haben. Ja, er hätte sogar als leading man eine Zukunft, würde er sich damit begnügen, einen Charakter zu spielen anstatt einen Charakter und zusätzlich einen laufenden, “lustigen” Audiokommentar. Wann immer Theron und MacFarlane nur dasitzen und miteinander reden, macht es Spaß, zuzusehen – solange, bis MacFarlane mal wieder entscheidet, aus der Szene zu treten und zu erklären, was jetzt gerade witzig war.

Ich will nach wie vor mehr Filme (und weniger Cartoon-Serien) von MacFarlane sehen – ich hoffe nur, dass er besser früher als später die Stimmen der jolenden frat boys, die ihn und seine Tendenz zur unangenehmen Selbstdarstellung anfeuern, ausblendet und erkennt, wo seine wirklichen Talente liegen.


  1. Ich mag Apatow und liebe Rogen, aber die schiere Masse an Komödien, in die sie oder ihre vielen Freunde involviert sind, lässt manchmal vergessen, dass es überhaupt noch andere Arten gibt, Komödien zu schreiben und inszenieren.